

Green Bouildering
Bouldern wie am Fels? Ohne Fels? An „Gebäuden“? Direkt vor der Haustür? Die Tuffbrücken Fribourgs machen es möglich. Als ich vor einigen Jahren davon hörte, dass Fred Nicole anno dazumal extra einige Tage von Vevey nach Fribourg gekommen war, um an einer der Tuffbrücken in der Altstadt eine 8a-Traverse erstzubegehen, dachte ich mir, da weiß ich jetzt auch nicht mehr, was ich da denken soll. Ich habe es ihm auf jeden Fall in fünf Jahren Fribourg nicht nachgemacht. Inzwischen aber ist die Welt eine andere: Ganze Berge brechen unter abschmelzendem Permafrost zusammen, Spritpreise und Weltmeertemperaturen schnellen in die Höhe, Buildering wird immer populärer, Bouldern ohnehin und ein Haustierchen, das sich selbst zur Spezies des homo sapiens sapiens zählt und sich in erster Linie von unserer Zeit ernährt, haben wir auch seit Kurzem. Außerdem stehen Prüfungen ins Haus. Wenigstens der letzte Aspekt ist kein Ausdruck der neuen Weltenordnung. Zudem wohnen wir seit einem halben Jahr in Umfalldistanz zu besagten Brücken in der Altstadt. Mit jedem Schritt, den ich nun auf Fred Nicoles Spuren wandelte, lernte ich ihn besser verstehen. Dass dort unten am Fluss wirklich eine nette Atmosphäre herrscht mit Abendwind und betrunkenen Grillmeistern. Dass sich der Tuff ziemlich gut beklettern lässt, hat man einmal die Löcher entgratet. Dass sich schöne Linien auf den wohlproportionierten Brückenpfeilern finden lassen und oft ein kühles Lüftchen weht, das zusammen mit dem Grip des Tuffs bouldern auch an Tagen mit mehr als 20 Grad erlaubt. Allein, die 40km Anreise von Vevey, die verstehe ich noch nicht so ganz. Aber es war ja auch noch eine andere Welt, als Herr Nicole klein war.
Auch seine Fb8a-Traverse konnte ich nicht zweifelsfrei identifizieren. So habe ich mir selbst einen Boulder gesucht, den so auf jeden Fall noch niemand probiert hat, zieht man den jungfräulichen Status einiger der Löcher in Betracht. Das gute Stück ist sogar nicht mal so leicht, so Fb8a+ dürfte es sein. Vielleicht aber auch ein bisschen schwerer, denn bei (Tuff-)Lochkletterei handelt es sich bekanntlich um meine Lieblingsdisziplin. Mit dem typischen Bouldergardemaß von 163cm kommt man an der Crux außerdem nicht weit. Muss sich nur noch die Haut ein wenig erholen von den scharfen Lochrändern und dann wird beim nächsten Besuch wohl zum Durchstieg geblasen. Mal kurz vorbei schauen, ob die Form und die Conditions stimmen, ist ja kein Problem. Bei einem Boulder 300m vor der Haustür. |

