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Céüse - Das Sportkletta-Mekka

 

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 Jung übt sich - Genauer gesagt: Daniel Jung übt sich in Illusion violante (8b), Sektor Cascade.

 

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2 Fragen an...:

Daniel Jung, Jahrgang 1984, Studium Lehramt, Siegen

Zuerst erfuhren wir es nur Gerüchte halber, dann konnten wir uns mit eigenen Augen davon vergewissern. Einer der besten deutschen Felskletterer und der ehemalige deutsche Meister Daniel Jung war gerade am nach Griffausbruch umgebohrten " Le cadre" – früher 8c, jetzt 9a – dran. Echte Prominenz, der man allerdings nicht den leisesten Hauch von Starallüren nachsagen kann. Er gibt Tipps und hat ein offenes Ohr für Kletterer aller Grade, ist begeisterter Ex-Kinder- und Jugendtrainer und doch immer noch auf wohltuende Weise auf die ganz harten Dinge fokussiert.


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Jung schraubt sich - Durch den Schlüsselzug im steilen Teil von Illusion violante.

 

Du wirst am Ende deines Trips diesen Sommer wieder fast 2 Monate in Céüse verbracht haben. Wie lebst du hier oben und warum gerade Céüse?

 Die letzten Jahre war ich oft in Ceüse, als erstes wegen dem super kompakten Fels und der schönen Panorama- Aussicht. Im Sommer ist es nicht so heiß hier und mit etwas Wind hat man top Bedingungen. Gerade dann ist es zwar super voll, dafür trifft man aber immer Bekannte und hat viel Spaß. Die Routen sind hier überwiegend sehr interessant und tricky, vor allem die plattigen Sachen mag ich.

Leben tu ich hier oben sehr bequem… in meinem Zelt. An Ruhetagen ist wirklich Ruhe angesagt, da muss ich mich von dem ganzen Bergauf- und Bergabgelaufe erholenJ. Man trampt dann an den nächsten See oder zum lecker Bäcker und Shoppen nach Gap. Langweilig wird‘s auf jeden Fall nicht.

 

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Wenn du lange ins Blaue blickst, blickt das Blaue auch in dich hinein.

 

Wie hältst du die Motivation für Routen wie Le cadre aufrecht, selbst wenn du Leistungsplateaus oder gar Rückschritte im Projektierungsprozess erlebst?

Le Cadre war 2004 oder so meine erste 8c und eine der besten und spannendsten Durchstiege überhaupt. Eigentlich war es nur Glück, dass es geklappt hatte… An der Schlüsselstelle sind meine Finger etwas zu dick und sie liegt mir eigentlich nicht soJ.

Damals hatte ich für gechippte Griffe noch kein Auge, ich hab‘s nicht erkannt. Jetzt wollte ich natürlich gern die neue, natürliche Version klettern. Es wäre sogar eine Erstbegehung gewesen, das hat mich auch sehr motiviert.

Auch wenn der obere Teil nur 8c war, musste ich feststellen, dass  es immer noch die schwerste Einzelstelle war, die ich in einer Route geklettert bin. Obwohl die Stelle für mich sehr, sehr schwer war, blieb ich super motiviert dran. Es gab immer wieder kleine Fortschritte, das hat richtig Spaß gemacht.

Zwei Wochen bevor ich wieder nach Hause musste, konnte ich die Route von Henkel zu Henkel mit nur zwei Pausen klettern… Ich war recht optimistisch, in zwei Wochen sollte man ja eigentlich etwas Ausdauer bekommen!

 

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 Mindestens genau so gefährlich in Sachen Anziehungskraft - Blicke ins Rote.

 

Leider gab es aber immer mehr windstille Tage, vernünftige Versuche waren für mich unmöglich. Mehr als zwei, drei Züge konnte ich nicht aneinanderreihen… eigentlich sehr deprimierend, aber ich wusste, dass es bei etwas kühlerem Wetter und etwas Wind um Welten einfacher war. Es gab zwar noch ein zwei gute Tage, aber aus dem Durchstieg wurde nichts mehr.

War natürlich schade, aber wenn man ich etwas am Limit ziehen will, muss ich  auch damit rechnen, dass es nicht klappt. Das gehört ja zum Klettern dazu.

Zwischendurch kam noch Adam Ondra vorbei. Er hat Le Cadre ausgecheckt und kurzen Prozess gemacht und zwar direkt im 2. Go. Das war super motivierend zu sehen, dass es so einfach geht. 

 

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 Groß ist das Gesicht - Von Céüse auf der Ostseite. Elena in einer unspeckigsten 5c des Gebiets am Grand Face.

 

 

Die fehlenden Tagebucheinträge

23. Oktober 2010

Oh Väterchen Frost…

…was machst denn du schon hier? Du bist wohl ein paar Haltestellen zu früh ausgestiegen. Und wieso musst du denn auch noch gleich deinen Bruder Sturm mitbringen? Mein Auto trägt morgens eine weiße Kruste, mein Atem schwingt wie eine weiße Fahne und abends gehen wir beinahe ohne Essen ins Bett, da das Kochen im Wind bei nur zwei oder drei Grad über Null eine echte Herausforderung ist. So kommen die Ravioli aus der Dose zum Einsatz, denn die erlauben eine schnelle Flucht in den Schlafsack.

 

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 Blick zurück ins Teufelsstück - Der Autor in La Part du diable (8c+), Sektor Biographie.  Blick nach vorn im Zorn? - Auch für Matthias Ryffel geht jeder Klettertag in Céüse irgendwann zu Ende. Zornig wird er im Abstieg deshalb trotzdem nicht gewesen sein.

 

Wir fühlen uns wie ins eiskalte Wasser geworfen, vor allem, da wir vor einigen Tagen hier am Col noch ohne Shirt in der Sonne lagen. Aber dieses Wasser ist nicht nur eiskalt, es ist auch glasklar. Und das ist ein Geschenk. Während einer Woche herrscht das beste Foto- und Kletterwetter, das man sich wünschen kann. Kondensiertes Wasser am Himmel wurde schon seit Tagen nicht mehr gesichtet, die Sonnenauf-  und untergänge sind von stählernem Kitsch und gegen Abend, bevor es definitiv zu kalt zum Klettern wird, herrschen Bedingungen, wie sie sich selbst in meine wildesten Träume nur selten wagen.

Und eigentlich ist die harte Seite dieses Wetters doch irgendwie geil. Sie hat etwas vom Kampf gegen die Elemente, sie fordert uns heraus, aber sie hilft uns so auch, uns selbst zu spüren, auch wenn das nicht für unsere Hände gilt. Ich will nicht wagen für die anderen zu sprechen, aber ich für meinen Part fühle mich umso echter, je mehr uns die Natur hier oben einholt.

 

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Allein mit dem Beginn des Tages - Am Fuße der Felsen.

 

28.Oktober 2010

Wechselleben

Gestern wir, heute ich. Drei Tage kam meine Freundin Jeanne zu Besuch aus Genf. Drei Tage wie aus anderem Leben. Einmal haben wir es zwar zum Fels geschafft, aber nur um mir einen Riesencut (* von engl. Schnitt. Von sogenannten Terroristengriffen verursachte Fleischwunde, die das Weiterklettern allen Nichtmasochisten verunmöglicht.) in La part du diable (8c+) zu holen. Ansonsten reines Rumhängen, Dinge tun, die sich nicht ziemen. Tage, die kein Klettern brauchen.

 

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Frühes Sinter Betatschen - Hannes wärmt die Sinterfahnen in Les Colonettes (8a) um die Wette mit der Sonne.

 

Diese Tage gehen dann genauso plötzlich, wie sie gekommen sind. Sie machen Platz für Fels, Fotos, Feuilleton. Geht es zu schnell? Ja. Ist der Zeitraum zu lange? Vermutlich auch. Doch die Gewöhnung wird kommen, wie eine Welle Taubheit über unser Orchester, um es einzufrieren bis zur nächsten Aufführung. Und die Therapie ist klar, denn ich bin voller Tatendrang. La part du diable werde ich auch mit all diesen Cuts klettern. Und erst die Bilder aus diesem Paradies! Für einen jeden Fotografen ein Traum…

 

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 Summer's almost gone - Aber im nächsten sind wir sicher wieder in Céüse am Start.