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Gorges du Tarn - Favorit für den Passion verticale Rock Award

 

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 Stumme Anbetung - Als würden sich die Bäume Richtung Hannes in Tennesse, 8b, neigen. Oder unterschlägt der Fotograf schon wieder ein paas Grad Neigung?

 

Café

Wo sind all die Kaffeehäuser hin?

Wir haben kein Café gefunden. Zu mindestens keines, das wir unbedingt empfehlen wollten. Und ich höre sie schon sagen, die Leute, die dieses Buch chronologisch lesen: „Was schon wieder? Und auch noch in der Gorges du Tarn, wo es doch nur so wimmelt von Cafés!“. Ja, ihr habt recht, aber lasst uns unsere 1000 Zeichen der Verteidigung. Es ist fast November. Sehr viel hat zu. Sehr viel. Es gibt noch je ein Cafe´ zu jeder Seite der Sektoren. Das „La Malène“ hat drei Sterne, behandelt aber unsere Dreadlock-Kletterkollegen aus Frankreich ein wenig wie den Dreck an deren Stiefeln.. Im „Les Vignes“, auf der anderen Seite, sind die Leute nett, aber man hat uns fast den Laptop gekillt mit einer Tasse Tee und unsere Freunde nass gemacht. Zudem war der Kaffee nichts Besonderes.

 

 Pirmin bertle, passion verticale gorges du tarn climbing, France, massif centrale, menhir
 No coffee plaine - Ein Menhir auf einer der Hochebenen um die Schlucht.

 

So sind wir weiter, nach St. Enimie, einem laut Ortsschild schönsten Dörfer des Landes. Es ist wirklich pittoresk. Und voller Cafés. Und wir waren auch in einem, mit Ché Guevara innen drin und einer netten Kubamusikplatte. Einer netten Kubamusikplatte. Einer netten Kubamusikplatte. Ja, leider wird nur die eine Platte abgespielt. Wir vermuten, dass sie mit diesem nervtötenden Mittel  Langzeitbesucherzecken wie uns wieder los zuwerden hoffen. Es gibt in besagtem Dörfchen aber viele nette Winkel mit Schänken, Restaurants und Kaffeehäuser.

Wir machen es also kurz und interaktiv. Wer die definitiv schönste, netteste, alternativste günstigste und authentischste aller gastronomischen Einrichtungen findet, der schreibt unseinen Text von ca. 1500 Zeichen und schönem Foto. Wir werden ihn in der nächsten Auflage veröffentlichen. Viel Spaß beim Recherchieren!  

 

Pirmin bertle, passion verticale gorges du tarn climbing, France, massif centrale,  
 Sachsenparadies - Im Cirque des Baumes stapeln sich die unbestiegenen Türme förmlich übereinander. Und keinen interessiert's, denn man darf ja auch an Massiven klettern.

 

2 Fragen an Matthias Ryffel...

Jahrgang: 1985, Beruf: Journalist, Wohnort: Bern

Voilà, erster Anwärter auf den „Passion verticale“-Supportpreis (für Sichern, Modeln, Filmen, etc.)! Matthias „Ma2Ryffel aus Zürich. Schon mehrfach abgebildet, wird er jetzt endlich vorgestellt. Bester Jahrgang (1985) bei stattlichen 1,76m und mindestens 80kg (ca. 60kg davon Muskelmasse), und zudem noch zu haben (naja man weiß es nicht genau, aber ihr könnt es ja mal probieren!). Schwingt sich schon mal um halb sechs aus dem Schlafsack in die Sternennacht, um mit uns die 600 Höhenmeter nach Céüse hinauf zu rennen und filmt den Pirmin auch dann noch stundenlang, wenn der die Crux von der doofen 8c+ plötzlich nicht mehr klettern kann. Absolut rekordverdächtig.

 

Pirmin bertle, passion verticale gorges du tarn climbing, France, massif centrale, Matthias Ryffel, la nuit des temps, 7c, grand toit 
 Ja, wo kommt denn da die Leiste her? - Die fallen in der Tarn eigentlich unter die geologische Zensur. Matthias hat in La nuit des temps (7c) trotzdem eine gefunden.

 

Lieber Ma2, vielen Dank für deine Unterstützung! Findest du, der „Passion verticale“-Supportpreis sollte eher mit einem Kletterseil oder einem Motoradtuning honoriert werden?

Und wo wir schon bei Motorrädern sind? Wie war Afrika?

Gern geschehen, dafür werde ich ja jetzt berühmt. Nun, zumal ich mein Motorrad in einem Anfall religiösen Wahns (ziemlich sicher bakteriell bedingt) Vater «Igbe» aus Nigeria übermacht habe, bleibt mir eigentlich nur noch das Kletterseil. Aber auch der nackte Überlebenswille rät mir, meine Zukunft eher im Fels denn im Sattel zu planen.

Und damit zur zweiten Frage. Die Facts zu Afrika:  Schweiz – Guinea in 9 Wochen, mit drei 650ern Geländemotorrädern, 10'000 Kilometer insgesamt, davon ca. 2500 offroad. Dass ich keine Motorradlizenz besitze, ist ein lustiges Detail. Wir wollten ein Abenteuer und wir haben eines bekommen. Dazu gehören wüste Stürze, bestürzende Wüstenlandschaften, verlorene Regenwälder mit Schimpansen und rauschende Wasserfälle. Dazu zählen auch der Raubtierdschungel des afrikanischen Stadtverkehrs, Ak-47-lastige Grenzübergänge und ein ganzes Universum fieser Bakterien. Afrika mag vieles missen, aber wer mit den Konsequenzen leben kann, der findet auf diesem Kontinent Freiheit und Raum zur Selbstentfaltung. Natürlich schwingt da eine perverse Note mit, zumal sich 90% der Bewohner des Kontinentes um Selbstentfaltung einen Dreck scheren. Aber Augen zu und in Europa mit der Spaßgesellschaft zu turnen, finde ich persönlich auch nicht besser. Klettern und Bergsteigen war für mich immer in erster Linie Abenteuer. Wohl mit ein Grund, dass ichs kaum je in die hohen Franzosengrade schaffen werde. Ich brauche den Sprung ins kalte Wasser und die Abwechslung. Die habe ich nun einstweilen gehabt. Also werde ich mich dran machen, die raue Realität, welche ich auf dem Nachbarkontinent erlebt habe, in mein Weltbild zu integrieren und nebenbei wieder Stürze am Seil sammeln, statt solche in Sand und Staub.

 

Pirmin bertle, passion verticale gorges du tarn climbing, France, massif centrale, la malène, la nuit 
 Und seine letzten Fotos waren... - Beim Abstieg von diesem Schrofen neben La Malène verirrte sich der Autor dermaßen zwischen den Felsen, dass ihn erst der zwischen den Wolken auftauchende Mond errettete.

 

 

Die (bzw. der) unveröffentlichte Tagebucheintrag:

 

22.Oktober 2010

Moonlight drive

“Let's swim to the moon / Let's climb through the tide / […] / On our moonlight drive”.  Ich muss den Doors-Song aus meinem Mp3 Player hervor kramen, denn er passt zu gut. „The moonlight drive“. Ich jage, sofern mein Schlafwagen irgendetwas jagen kann, über die Hochebenen des Massive Central, eine Aussicht fast wie am Tag, nur stahlgrau und silbern. Hügel reihen sich an Hügel, flache Täler, kleine, um diese Zeit längst vom Schlaf verhangene Dörfchen. Grauer Kalkstein, schmale Straßen, und dann wieder die weite, für Zentraleuropa erstaunlich wilde und unberührte Gegend. Und über allem die große, fette Silberscheibe, genau heute voll und genau heute in eine so klare Nacht gefallen, dass sie alles um mich herum erleuchtet. Ich schalte die Scheinwerfer aus und sehe plötzlich noch weiter als zuvor. Nicht unbedingt mehr, aber meine Augen erobern so, ungeblendet vom eigenen Licht, die Landschaft um mich herum viel besser und in immer mehr Details. Nur die selten auftauchenden anderen Autos dürften sich etwas wundern, warum da plötzlich zwei Lichter glühen, hinter ihnen, wo doch noch gerade nichts war. Ich bin auf dem Weg zurück aus der Tarn. Nach Genf. Ein paar Tage die Zivilisation und meine Freundin genießen, um dann weiter in die Ägäis zu fliegen.

 

 Pirmin bertle, passion verticale gorges du tarn climbing, France, massif centrale,
 Abgeschnitten vom Fluss der Zeit - Dieses Dörfchen ist wie einige andere auch nur mit dem Boot zu erreichen.

 

Es waren nur knapp zwei Wochen gewesen in der Tarn, aber wie immer lässt mich diese Schlucht mit dem Gefühl zurück, für diese Tage eine ganz besondere Welt erlebt zu haben. Nicht nur das Klettern, das mit diesem Fels mit Sicherheit ganz oben sich wiederfinden wird in der Hitliste unserer Gebiete. Nein, vielmehr ist es das Ganze, das vor allem zu dieser Jahreszeit beeindruckt: Die verlassene Schlucht, das herbstliche Wetter, die sich verfärbenden Wälder; und die einsamen Dörfer, über denen sich diese faszinierenden Hochplateaus hoch oben erstrecken. Wild, sturmzerfressen, leergefegt. Kaum Wälder, fast Steppe und noch weniger Zeichen von Zivilisation als in der verlassenen Tarn- Schlucht.

Es ist erst wenige Stunden her, da war ich auf der nicht ganz geglückten Suche nach Menhirs über sie gewandert. Ohne Wege und zeitvergessen bin ich in die Dunkelheit geraten. Der Atem des baldigen Winters war mir auf den Fersen, der Wind schob mich zurück zum Ausgangspunkt und das Thermometer fiel auf wenige Grad über null. Wenn ich einmal nicht mehr klettern werde, dann will ich über solche Hochebenen wandern, am besten mit noch weniger Zivilisation und am besten ganz alleine. Vielleicht liebe ich dieses Gebiet hier deswegen so, weil ich bisher fast immer im Herbst hier war, einige Male auch noch später, und weil dann alles diese verlorene Verlassenheit atmet. Und natürlich auch, weil der Grip am Fels dann immer stimmt. Wenn Leben und Menschen die Schlucht verlassen, dann komme ich um zu klettern. In der Kühle des Spätherbstes gehen dann die ganz schweren Dinger. Wir sehen uns im nächsten Jahr, schöne Schlucht!

 

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 Doppelter Hannes - in Tennessee (8b)...  ... und Trésor de zèbre (7c).