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Geyikbayiri - Türkisch für "Sintergrotten-Säulenhalle"

 

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 Strukturarm - Der deutsche Meister Markus Hoppe ägyptert hier in Olympus Games (8b) durch eine der glattesten Wände in Geyikbayiri.

 

 

Kein extra Interview, keine zusätzlichen Rubriken? Wer war denn da bloß zuständig?


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 Ersatzrezept - So arm wie die Bounsrubrik-Sparte zu diesem Kapitel ist dieses Ad-hoc Bonusrezept: Ausgezogene Orange, frisch vom Markt und arm an Kalorien.

 

 

Also gleich zum Tagebuch:

08. Dezember 2010

“There is only Taxi!”

„Five minutes, he come sure!”. “The other side of road”. “You go to Godschlidü…!”. Es ist nicht einfach sich in einer Stadt zurecht zu finden, in der es zwar über hundert Buslininen gibt, aber kein einziger Fahrplan aufzufinden ist. Darüber hinaus will niemand einräumen, dass er wirklich keine, aber auch nicht die leiseste Ahnung hat von dem, was er gerade gefragt wurde. „You have to take Taxi.“. Danke, aber wir wollen sicher keine 40 km mit dem Taxi fahren. Zwar ist die Türkei billig, unser Budget aber noch schmaler.

 

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 Finally out of town - Trampen geht in der Türkei viel leichter als Busfahren.

 

Wir sind gerade mit dem Nachtbus aus Bodrum gekommen und stehen jetzt pünktlich um 5:30 Uhr zum obligaten islamischen Morgenkaffe und den Rufen des Muezzins auf dem Busbahnhof von Antalya. Nachdem wir bereits gestern nach erfolgreichem 8c+ Doppeldurchstieg auf Kalymnos mehr Bier als Schlaf konsumiert hatten, um die Insel dann um sechs Uhr früh zu verlassen, kommt jetzt das Schlafdefizit dieser Nacht, die wir mit der türkischen Version von Avatar und vielen, vielen Bodenwellen verbracht haben. Zudem sind wir mit jeweils drei Taschen und knapp 35 Kilo beladen. Laufen ist also keine echte Alternative. Jeder uns erteilte Ratschlag erweist sich als falsch, und so kommen wir nicht wirklich von hier weg, denn wir suchen die Linie 54 oder 56 (ja, auch ihr werdet sie suchen!), denn das sind die einzigen, die in Richtung Geyik Bayiri fahren.

Der Versuch einfach mal auf gut Glück in die Stadt zu fahren, endet damit, dass wir uns eingekeilt mit unserem Monstergepäck im Bus wiederfinden, weit davon entfernt diesen je wieder verlassen zu können. Erst im ausgestorbenen Hafentouristenviertel leert sich unser Gefährt so weit, dass wir es vor die Tür schaffen, um danach wieder ins Zentrum zu fahren, diesmal in sicherer Nähe des Ausgangs. Und so kommen wir dann nach einigen Stunden endlich an im Camp, bei bestem Wetter, bereits das erste lokale Gemüse und Obst im Sack, zu einem Kilopreis von ca. 50 Cent. Und nach fünf Wochen kahler Insel gibt es ein paar ganz gewöhnliche, aber wunderbare Dinge zu bestaunen: Bäume, zudem noch mit Herbstlaub darauf. Süßwasser, in einem schönen kleinen Bach direkt am Camp. Stille, keine Straße, kein Meer. Weite Hügel, weite Berge, nicht mehr Schluss am ersten Kamm. Nachtkühle, Nordwände, ein Hauch von Wildnis…

 

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 Kuschel mich weg! - Hannes in Professur (8b) beim Versuch den ganzen Trebenna-Sektor wegzuschmusen.

 

 

11. Dezember 2010

Spül mich weg!

Regen, nimm mich mit! Ich bin vollauf bereit mich dir anzuvertrauen. Denn wir beide sitzen ausnahmsweise einmal im gleichen Boot. Denn ja, auch hier könnte ich mir Devers Royale eine weitere 8c+ klettern. Aber wieso? Diese Frage wird für immer ein Mysterium bleiben. Fragen wir also lieber. Wieso nicht?

Weil ich etwas platt bin von Kalymnos. Weil die Route keine fünf Sterne verdient hat. Weil das Wetter ohnehin zweifelhaft werden soll. Weil es hier im Camp unglaublich gemütlich ist, Texte zu schreiben, Fotos zu bearbeiten, sich mit anderen Leuten zu unterhalten, Adventspäckchen von Jeanne zu öffnen, den Regen aufs Dach prasseln und das Feuer im qualmenden Kanonenofen prickeln zu hören. Das gibt glatt ein richtiges Weihnachtsambiente. Erinnert mich an früher, an eine Zeit, an der diese Zeit einfach nur durch ihr Warten auf Weihnachten erfüllt war. An eine Zeit, in der ich nie auch nur einen Gedanken an Leistung verschwendet hätte. Und ja, wie ich hier so sitze und schreibe, kann nicht im Geringsten behaupten, dass ich diese angenehme Atmosphäre in irgendeiner Weise eintauschen wollte.

 

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 DSDSRT - Aus einem zweitägigen Dauerregen-Casting präsentieren wir euch hier die Finalisten der Superstar-Regentropfen-Megashow! (Der Dicke vorne in der Mitte ist mein Favorit.)

 

Denn ich brauche meine Pausen. Kalymnos war ein hartes Pokerspiel und ich hatte starke Nerven. Jetzt will ich hier ein paar schöne Fotos machen, ein paar nette Texte hacken und weiter nichts. Und deshalb, lieber Regen, sitzen wir im selben Boot. Und wenn du so weiter machst, dann wirst du uns in diesem Boot mit Sicherheit noch hinunter bis nach Antalya spülen.

 

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 Hervé on the rocks - Die Routen in Geyik sind sehr oft wie Baileys: Die Grade schmecken gut und machen Lust auf mehr. Für harte Jungs sind sie aber selten was. Sorry, Hervé!

 

 

22. Dezember 2010

Zieh das Fazit!

Mein Gesamteindruck ist klar. Trotz der etwas ungünstigen Position am Ende der ersten drei Monate auf Reisen und so auch am Ende der Formkurve, hat mich Geyik Bayiri trotzdem voll überzeugt. Es gibt genug Routen für einige Monate, verschiedene Expositionen der Sektoren, ein breites Schwierigkeitsspektrum, alles gut ausgerüstet. Im JoSiTo (und vermutlich auch in den anderen Camps) herrscht eine sehr nette Atmosphäre, es gibt viele Kletterer, die auch ein wenig länger bleiben, und die Bar hat einen dicken Holzofen. Dazu umgibt uns eine eindrucksvolle Landschaft, in der gastfreundliche Menschen wohnen. Im Hinterland erwarten den kulturell Interessierten  Highlights aus verschiedenen Hochkulturender letzten 5000 Jahre.

 

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 Immer diese Leute, die nichts genießen können, ohne es abzuknipsen...

 

Abzüge gibt es nur für die stellenweise leicht zweifelhafte Gesteinsqualität. Zwar sind die stark erodierten Felsen sehr interessant zu beklettern, auf der anderen Seite ist die Festigkeit des einen oder anderen Griffes bisweilen zweifelhaft. Doch gilt das nur für Routen, die noch nicht so viel begangen wurden. Da in Zukunft hier sehr viel geklettert wird, werden auch die losen Griffe herausgeputzt werden.

Habe ich in Kalymnos noch gesagt, für mich persönlich ist der nächste Besuch noch nicht gebucht, muss ich zu Geyik Bayiri sagen: Wenn es noch ein paar Projekte gibt, komm ich gerne wieder!

 

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 Einer fehlt - Eine super erhaltene Mauer römischen Ursprungs in Termessos. Wäre da nicht die Sache mit dem vermissten Stein...