Züruck

Der Uhu, der Artenschutz und die Felsvandalen – Geschichte einer konspirativen Verschwörung

Freedoo on stage
Typischer Felsvandale, der mit akustischem Deathmetal und hektoliterweise Rauch alle Ökologie im Umkreis von Kilometern vertreibt.

Die Zeit, sie war vom Menschen bereits seit längerem in ihr eng festgezurrtes Korsett gelegt worden, schrieb irgendetwas, die Menschen aber nannten es das Jahr 2008 und die Periode des Erwachens, die Menschen nannten es den Frühling, war gerade richtig in Fahrt gekommen. Vielleicht sprießten bereits die ersten Blätter, die Sonne hatte auf jeden Fall schon gut an Kraft zugelegt, da geschah es an einem im Wald vergessenen Ort, dass ein sogenannter Felsvandale (ein sich fälschlicherweise für verwandter mit dem Affen als mit dem Rest seiner Rasse haltender Vandale)  einen Felsen erklomm, den sich bereits ein sogenannter Uhu (ein sich selbst für gar nichts haltender aber von gewöhnlichen Vandalen für einen Konkurrenten der Felsvandalen gehaltener Vogel) zur Aufzucht seiner Brut (auf Grund ihres plüschig weißen Aussehens der Einfachheit halber als hier Eisteddybären bezeichnet) auserkoren hatte. Beide erschraken stark bei ihrem erstmaligen Aufeinandertreffen, der Uhu weil er wohl glaubte einen Nesträuber zu erblicken (was ihm vermutlich ein Artenschutzvandale über Felsvandalen eingebläut hatte), der Felsvandale, weil er dachte im nächsten Moment von einem sicherlich tödlichen Stein getroffen zu werden. Glücklicherweise schwenkte der Stein ab und glücklicherweise hatte es der Felsvandale nicht auf die Eisteddybären abgesehen. Der Vorfall endete damit, dass die ersten beiden Laschen der beiden Nachbarrouten demontiert wurden und der Uhu so einen Freiheitsradius von ca. 15m erhielt.

Doch dies war so nicht vorgesehen. In der Vorsehung eines Artenschutzvandalen hätte der Uhu eigentlich persönlich einen Umweltsupergau einläuten sollen, dem das Biosystem von mindestens zehn Planeten zum Opfer falle sollte. Stattdessen kam er wieder und versorgte seinen Nachwuchs, wie es sich gehörte und die Felsvandalen, die den unglaublich schönen, majestätischen Vogel nun ab und zu Gesicht bekamen, wurde regelrechte Uhufans. Ein weiteres Ereignis, dass so nicht vorgesehen war. Beim Anblick eines Uhus hätte ein jeder Felsvandale unverzüglich zum nächsten Artenschutzvandalen laufen und sich seinen Lieblingsfelsen auf Jahre hinaus sperren lassen sollen, selbst wenn der Uhu nie wiedergekehrt wäre. So entstand nun aber ein Kontakt zwischen den beiden Gattungen, die einander sonst nur im Zoo zu Gesicht bekamen. Ja, es entstand gegenseitiger Respekt für die Bedürfnisse des anderen (kein Spielen mit den Eisteddybären, auch wenn sie aussehen, als seien sie dafür gemacht, keine Begehungen der Nachbarrouten und kein übermäßiger Lärm, dafür kein Vogelkot auf den Griffen der schweren Routen), man könnte fast sagen, es entstand so etwas wie Freundschaft, derer, die eigentlich hätten Erzfeinde sein sollten, da sie laut Vorsehung der Artenschutzvandalen nur mit einem Mindestabstand von einigen Kilometern existieren hätten können.

Als nun an einem sonnigen Tag im Spätfrühling einmal wieder Felsvandalen und Uhu ihren Lieblingsbeschäftigungen nachgingen und anschließend in gelöster Stimmung zusammen eine Wurst und eine Maus grillten, kamen sie auf den Gedanken, dass hinter ihrer früheren – bereits an Feindschaft grenzenden – Konkurrenz  ja eigentlich gar kein echter Interessenskonflikt bestünde, sondern der Lebensraum Fels eine – gegenseitige Rücksichtnahme vorausgesetzt – viel einfacher zu teilende Ressource wäre, als dies der Artenschutz vorhersah. Eigentlich, so diskutierten sie weiter, sei es überaus dumm, die beiden Gruppen so strikt zu trennen, so würde nur Hass gesät und Verständnis verunmöglicht werden. Dass diese Trennung so forciert wird, muss also andere Gründe haben, dachten sich die Grillmeister. Argumente wechselten die Seiten, Rauch stieg auf und auch die jeweilige Spezialität der anderen Seite wurde gekostet. Schließlich kam man überein, dass vielleicht die Artenschutzvandalen ohnehin nichts gegen echten Artenverlust zu unternehmen im Stande sind, da ihre Macht viel zu klein ist und sie deshalb ihren Frust an den Felsvandalen, die noch weniger Macht haben, ausließen. Eine andere Theorie erwog die Möglichkeit, Artenschutzvandalen seien so darauf fixiert, die Erde vor dem Einfluss des Menschen, der jedoch allerorts überbordete, zu schützen, dass ihnen als einzige Lösung erschien, den Menschen sich selbst vernichten zu lassen, in dem er sich und das Ökosystem vollständig ruinierte. So erscheine es nur logisch, dass sich Artenschutzvandalen zum Ziel gesetzt hätten, genau jene Gruppen vom Kontakt mit der Natur abzuschneiden, die auf Grund ihres weit entwickelten Umweltbewusstseins am ehesten gegen Zerstörung und Ruin ihrer Vandalenbrüder vorgehen würden. Ohne Kontakt zur Natur würde sich am Ende so schon niemand um deren Erhalt scheren, da niemand ihren Wert kennen könne. Eine weitere Ansicht, von einem bereits leicht angetrunkenen Mitglied vertreten, war, Artenschützer wollten den Lebensraum Fels schlichtweg allein für sich. Entweder, da sie mit den großen Vögeln unanständige Dinge zu tun vorhatten, oder da sie in Wirklichkeit wenig talentierte Felsvandalen wären, die so Zeit Griffe zu chippen herausholen wollten.

Wie auch immer. Keine der Antworten konnte die große Mehrheit auf sich verbuchen, wobei die provozierte Apokalypse die Nase vorn hatte, dies war aber auch nur zweitrangig. In erster Linie wurde der angenehm milde Abend (einer der ersten in diesem Jahr) genossen und noch so einiges Wissenswertes ausgetauscht. Wann genau die Eisteddybären der meisten Ruhe bedürften und wann sie flügge würden, wie schrottige, zum Klettern ungeeignete Felsen aussähen, für den Fall, dass es der Uhu im nächsten Jahr gerne etwas ruhiger hätte und wie sich Maus am besten zubereiten ließe, wenn man, wie die Felsvandalen, unfähig ist Gewölle hoch zu würgen. Am Ende wurde auch noch der Artenschutzvandalen gedacht und nach Rezepten gegen deren Frust gesucht. Man könnte ihnen das Klettern lernen, das sehr viel Spaß bereite, oder den lautlosen Flug, was jedoch schnell wieder verworfen wurde. Der Uhu schlug vor, ihnen zu zeigen zu versuchen, dass auch Menschen mit zum Planeten gehören, doch da winkten die Felsvandalen sogleich ab. Eher noch das mit dem lautlosen Flug. Letztendlich kamen die Anwesenden überein, dass es am besten sei, Artenschutzvandalen einfach nichts von der Koexistenz zu erzählen, so müssten sich diese keine Sorgen machen und könnten weiter von einer Welt ohne sich selbst träumen.

Und so lebten Vogel und Mensch in Eintracht und die Eisteddybären wurden flügge und der Sommer kam und die Spits wurden wieder angeschraubt. Und noch heute erzählen die Beteiligten ihren Kindern von dieser bereichernden Bekanntschaft und von unglaublich kleinen Griffen und weiten Zügen und vom unglaublichen lautlosen Flug.

 

Züruck