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Züruck

Hochzeit – Ehe – Scheidung - 5 Wochen Ladakh

 

Hochzeit – Ehe – Scheidung - 5 Wochen Ladakh

 

Pirmin Bertle, Jeanne Garnier, lizardclimbing.com, India, Ladakh, Zanskar, Suru, Leh, Kargil, Rangdum, Padum, Nun, Kun, climbing, hiking, trekking, alpine, boulder, river, water, kids, travel 
 Dächer über Dächer über Dehli

 

„Love marriage?“, fragt uns die Frau, die Jules gerade das zweite Henna-Tattoo des Tages auf den zweiten, noch freien Oberarm malt. Wir verstehen nicht gleich, wie fast immer im Land des nur theoretisch Englischen, und dann verstehen wir doch. Sie meint uns und unser Verhältnis und ob wir nicht zwangsverheiratet seien, beziehungsweise unsere Hochzeit nicht arrangiert. Das sind wir beides nicht, nicht einmal verheiratet im klassischen Sinne, aber das erwähnen wir besser nicht. Immerhin sind wir mit zwei kleinen Kindern unterwegs und das Konkubinat verwirrt indische Geister, das versteht man hier schnell.

Für zweieinhalb Monate sind wir aufgebrochen in diesen entrückten Teil des Himalaya. Nicht einfach so, eigentlich haben wir für das Jahr nach Jeannes Studium andere Pläne, aber gezwungen hat man uns natürlich auch nicht. Ein bisschen arrangiert ist die Sache allerdings schon. Vor allem für mich. Eine Freundin von Jeanne heiratet einen Zanskari. Im Zanskar. 3500 Meter hoch gelegenes Tal südlich des Ladakh. Nordindien. Kaschmir. Eingeklemmt zwischen Pakistan und China, und also feindlichen Nachbarn. Ein Halbwüstengebirge mit 15000 Bewohnern und gottverlassen gewissermaßen, da buddhistisch. Und die Buddhisten kennen bekanntlich keinen Gott. Und der Tod ist nur Etappe. Vielleicht feiern sie deshalb, als gäbe es kein Morgen.

 

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 Kloster über Leh

 

 

              
 Nicht viele Tiere machen diese Wüste mit, Eidechsen aber natürlich schon.

 

Wir haben diese Reise, für die wir leider unser Vorhaben nicht zu fliegen über den Haufen werfen müssen, also aus freien Stücken angetreten. Wie eine gute Ehe in Europa. Die Scheidung von diesem Staubland ist ja auch schon terminiert, Mitte November geht der Flug nach Hause. Anfang September sind wir aufgebrochen. Und zwar wissen wir um die Effekte der Höhe, der Sonne, der hygienischen Umstände, aber wir hoffen natürlich trotzdem auf zehn tolle Wochen. Eine gelungene Ehe eben.

 

Die eigentliche Hochzeit, ihres Zeichens natürlich auch aus freier Liebe begangen, dauert drei Tage, mit Hin- und Rückreise in dieses nur von unbefestigten Straßen erschlossene Tal muss mindestens eine gute Woche veranschlagt werden, bleibt uns also noch reichlich weitere Zeit, um zu bouldern, zu trekken, Klöster zu besichtigen und zu fotografieren. Kürzer wollen wir diese Vermählung auf Zeit nicht halten, wiederum aus ökologischen Gründen. Wenn schon interkontinental fliegen, dann wenigstens nicht nur für zwei Wochen. (Wir hatten sogar versucht, Indien auf dem Seeweg mit unserem eigentlichen Ziel, der Panamericana, zu verbinden, aber man wollte unsere knapp einjährige Tochter Aliénor nicht auf einem Schiff über den Pazifik transportieren.)

 

Ich wähle an dieser Stelle nicht einfach so die Metapher einer Heirat für unsere Reise. Später, einmal beim Vermählungsfest eingetroffen, werden uns die Parallelen wie Schuppen von den Augen fallen. Aber davon wissen wir ja noch nichts.

 

Noch glauben wir an das Gute im Menschen. Und das gute in der Vermählung von Menschen. Sei es zum Zwecke der Ehe, oder zum Zwecke einer Entdeckungsreise. Noch glauben wir an die Kraft der love marriage.

 

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 Es braucht nicht sehr viel Wasser, um diesen Schotter anzugraben. Bei Lamayuru.

 

              
 Jules verfolgt Einheimische.

 

Und an die Zusagen, die man uns gegenüber getroffen hatte. Rucksackreisen würden wir nicht, das ist ja verrückt mit zwei kleinen Kindern, die gar nicht (Aliénor) oder mit drei Jahren nur kurze Strecken (Jules) laufen können. Zumal wir in Dehli zwei Bouldermatten bestellt haben. Rechnet man zudem noch Essen im Voraus, das man an den meisten unserer geplanten Destinationen nicht vor Ort wird erwerben können, kommen wir trotz wirklich minimaler Ausrüstung (kein Spielzeug, kaum Magnesium, ein paar Kletterschuhe, nur drei kleine Töpfe, usw.) inkl. Kinder auf ca. 125kg Gepäck. Kaum zu tragen. Aber wir bekommen ja netterweise das Auto des Brautpaares geliehen. Super Sache, die uns das Leben erheblich erleichtern wird. Außerdem ist der bergige Norden Indiens in Bezug auf Krankheiten und Bakterien nicht mit dem Rest des für seine jährlich 600.000 Margen-Darm-Toten berüchtigten Landes zu vergleichen, hat uns die Braut zugesichert, ihres Zeichens immerhin angehende Ärztin. Auch seien die Leute viel entspannter und weniger zudringlich, als im hinduistischen Süden.

 

Kurzum, wir freuen uns auf Indien light, das Auto, die Leute, die Hochzeit, die Blöcke und Berge. Die Sonne. Lediglich 100mm regnet es im Zanskar pro Jahr. Wir sind vollkommen überzeugt von der Sache. Love marriage eben.

 

Wir müssen es auch sein, denn natürlich gab es auf großelterlicher Seite (vor allem in der sauberkeitsfanatischen Schweiz) erhebliche Vorbehalte gegen unsere Pläne, die so weit gingen, dass man uns die Kinder zumindest für eine zeitlich halbierte Reise abnehmen wollte, umsie im sicheren Europa zu verwahren. Ein Plan, der am Ende nur daran scheiterte, das Aliénor in ihrer Fremdelphase sehr elternbezogen war und die Umbuchung übermäßig teuer ausgefallen wäre.

 

Eigentlich gibt es nur diesen einen Tag Zwischenstopp in Dehli zu überstehen.

 

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 Brot.

 

 

              
 Das Nachbarskind.

 

06. September. Wir landen. Ich betrete zum ersten Mal außereuropäischen Boden. Aliénor auch. Selbst Jules war schon in Isreal und Jeanne sowieso schon überall. Außer in Indien. Der Boden des Flughafens ist blank poliert und wohl temperiert. Der Flug war okay, alles halb so schlimm also. Wir haben ein günstiges fünf Sterne Hotel gebucht. Ich war noch nie in einem solchen Hotel. Ich war noch nie so nah am Äquator. Ich war noch nie an einem Ort, für den knapp 40 Grad gemeldet sind. Ich war noch nie in einer Stadt, die schon vor fünf Jahren 17 Millionen Einwohner hatte von denen knapp 10% mit weniger als 11 Dollar pro Monat leben.

 

Wir befinden uns nach Selbstaussage im besten Flughafen der Welt und alle wollen Trinkgeld. Aber ansonsten macht Dehli bis hierher einen super Eindruck.

 

Wir treten vor die Tür und werden beinahe erschlagen von dieser Luft, die mit Händen zu greifenund mit den Augen kaum zu durchdringen zu sein scheint. Wir nehmen ein überteuertes Taxi und werden in den Verkehr geworfen, der eigentlich ganz lustig, da sehr anarchistisch ist, aber eben auch sehr wild. Aliénor kotzt die Rückbank voll. Kein größeres Problem für den Fahrer. Sehr sympathisch. Zwischen den Fahrbahnstreifen liegen jetzt um fünf Uhr morgens die Menschen, die in den Slums neben der Straße keinen Platz finden, Schulter an Schulter. Fast einen Kilometer lang ist dieses lauteste, härteste und wohl auch schmutzigste Bett der Welt.

 

Das Hotel liegt in einem Viertel, in dem es noch etwas schlechter riecht und hat zehn Stockwerke. In der Lobby tummeln sich die höchsten Kasten des Landes und auf den Gehwegen vor dem Tor liegen die Unberührbaren.Wir glauben aus unserem Fenster über das Zentrum hinweg in die Unendlichkeit menschlicher Behausungen zu blicken, bis wir begreifen, dass unsere Sicht lediglich den Stadtrand streift.

 

Wir essen eines der besten und das sicherlich schärfste Frühstück unseres Lebens auf dem Zimmer und versuchen den Jetlag wegzuschlafen. Dann fahren wir Metro zu einem Tempel und alle wollen Bilder mit uns, aber die Leute sind freundlich und herzlich. Die Kinder stresst es trotzdem enorm. Neben der Hitze. Und ich bin zu ersten Mal in meinem Leben verstropft. Wir retten uns zurück ins Hotel. Unser Zimmer hat einen Wasserschaden, es riecht nach Gammel und man kann das Fenster nicht öffnen, aber es wirkt trotzdem wie eine Art Oase in der Wüste der Fremdheit.

 

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 Fels unter den Sohlen, und dann ein paar hundert Meter Luft.

 

 

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 Jeanne und Jules von Gletscher im Suru.

 

Am nächsten Morgen landen wir in Leh am Indus, Hauptstadt des Ladakh. Die Luft ist dünn und eine Befreiung in ihrer maßlosen Klarheit. Man sollte mit kleinen Kindern nicht so unvermittelt an Höhe gewinnen, der Weg auf der Straße über die zweithöchsten befahrbaren Pass der Welt erschien uns aber mindestens so gefährlich. Jetzt können wir es eh nicht mehr ändern. Wir sind drin in dieser Welt.

 

Man heißt uns in landesüblicher Manier mit sogenannten Kataks, leichten, weißen Glücksschals, die uns um den Hals gelegt werden, willkommen. Es ist dies ein Akt der Ehrerbietung, und wir sehen noch nicht das „pandorianische“ an dieser Geste. Aber wir werden es kennen lernen. Die Dosis macht das Gift. Zwei Wochen sind es noch bis zur Hochzeit.

 

Das Land ist braun und karg und doch sehr lebendig für die Saison. Der Klimawandel hat einen verregneten Sommer spendiert. Das Grün an den Berghängen bleibt für Älpleraugen trotzdem unsichtbar und auf den Sechstausendern schimmert der Schnee. Unser Guesthouse empfängt uns mit geballter buddhistischer Liebenswürdigkeit, liegt aber einen Kilometer weit außerhalb der ebenfalls sehr lebendigen, aber viel angenehmeren Stadt und etwas talaufwärts. Wir tragen die Kinder am Abend nach oben. (Das uns versprochene Auto befindet sich noch im Zanskar, aber wir wollen das stark organisierende Brautpaar natürlich nicht unnötig stressen und fahren also vorerst einmal Taxi.) Die Höhe fühlt sich harmlos an und die Anstrengung fast wie zu Hause, ist aber weit tückischer. Besser dran ist, wer keine Kinder tragen muss. Die ersten Abende verbringe ich abgeschlagen unter Decken und dem Einfluss von Kopfschmerztabletten. Schonung ist schwer, wenn der Nachwuchs, der sich im Mutterbauch noch mit einem Sauerstoffgehalt wie in der Todeszone auf über 8000 Metern zufrieden geben muss, Gas gibt, als wäre das Wort Akklimatisierung reine Makulatur.

 

Zwei Tage später schon erhöhen wir auf 4000 Meter. Die Sonne scheint und sie braucht gar keine Hitze und kaum den Effekt der Höhe, um uns im Alleingang zu zermürben. Nachdem wir zuhause um jede halbe Stunde, die die Kinder früher ins Bett gehen sollen, wochenlang kämpfen müssen, verlegt sich jetzt ihr Rhythmus inklusive Zeitverschiebung innerhalb von drei Tagen um neun! Stunden nach vorne. Aber wir haben nichts von den freien Abendstunden, denn auch wir brauchen auf einmal elf Stunden Schlaf.

 

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 Hammer Linie an super Block gleich neben dem Nun-Gletscher, wollte ich eigentlich auf dem Rückweg machen....

 

 

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 Krasser Bouilder, ganz oben.

 

Die sehr zuvorkommenden Kletterer des Gravi T in Leh haben uns in ein kleines Bouldergebiet oberhalb der Stadt gebracht. Ein bisschen Wiese im ewigen Staub, ein angeblich trinkbarer Fluss und einen Handvoll Blöcke. Ideal um die neuen, von indischen Händen persönlich gefertigten Matten der Marke Gipfel auszuprobieren. Es landet sich gut und mit pochendem Herzen. Vor allem Kompressionsboulder sind auch am dritten Tag hier oben noch wesentlich schwerer, als im gewohnten Tiefland. Ich schaffe es ein 7C+ Problem nicht in der ersten Session zu klettern. Auch das ein Novum, aber es braucht eben vor allem Geduld in Sachen Leistungssport. Tagsüber ist es außerdem warm und trotz nicht existenter Luftfeuchte schwitzt der Granit unter meinen von Sandstein verwöhnten Fingerspitzen. Nach dem Aufwärmen bin ich außerdem platt und auch wenn das gute Stück am nächsten Tag sofort geht, merke ich schon, dass der Körper hier oben sich nicht erholt, wie er sich unten erholt. Trotz der ausgedehnten Nachtruhe.

 

Drei Tage wollen wir bleiben und man hat uns den besten Boulderer Indiens versprochen, aber niemand kommt. Es macht nichts, wir haben ja alles, aber ohne zu wissen schmecken wir an dieser Stelle schon vor, was uns in der Folge noch vor echte Probleme stellen wird werden: Diese gewisse landesübliche Unzuverlässigkeit, die nach oben hin keine Grenzen zu kennen scheint. Nur unser „persönlicher Betreuer“ Ashish ohne H erscheint irgendwann. Wir hatten ihn nach einer kleinen Dose Tomatenmark gefragt und er bringt uns eine 3kg-Konserve. Zum Glück kein Konzentrat. Dann rennen wir zusammen mit ihm und Jules auf der Suche nach Blöcken den Hügel in unserem Rücken, vielleicht 200 Höhenmeter, hinauf und ich muss unseren Sohn auf den Schultern durch den steilen Schotter hinunter tragen, weil er nicht mehr kann, was zu einer dermaßenen Verausgabung und Unterversorgung mit Sauerstoff meinerseits führt, dass ich meinen kleinen Finger die nächsten zwei Tage nicht mehr spüre und die folgenden Stunden wie auf psychotischen Substanzen ums Zelt herum schwebe.

 

Ashish spricht passables Englisch und ich freue mich angesichts seiner bewegten Geschichte, die aus einer Mittelstandsfamilie in Dehli über eine nationale Jugendauswahl im Fußball, einem Dasein als Junkie und einer Lebertransplantation an den schon wieder trinkenden Vater bis hin zum ärmlich reisenden Kletterer reicht, auf viele interessante Bekanntschaften in den nächsten zwei Monaten. Ich vergesse in meiner Euphorie, dass jedem noch zu beredten Anfang stets bereits das tiefe Schweigen inne wohnt.

 

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 Kuh in Parkachik.

 

 

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 Irgendwo bei Lamayuru.

 

Einen ersten Eindruck dieser Sprachlosigkeit bekommen wir schon am Abend des zweiten Tages an unserem lauschigen Plätzchen am Rande der Straße ins Nubra Valley. Gastarbeiter auf den Feldern gegenüber des Flusses aus dem armen Süden des Landes entdecken uns. Sie bestaunen das Bouldern, vor allem aber bestaunen sie Jeanne, wann immer ich mich auch nur ein paar Meter entferne. Bisweilen kommen sie auf unsere Seite herüber, immer schweigend in Worten, Gesten und Blicken. Tauche ich auf, ziehen sie sich zurück. Als die Nacht kommt, sind sie immer noch da und uns ist es unmöglich mit Bestimmtheit zu sagen, ob sie mit einem der Autos, die eben noch in Richtung Leh abfuhren, verschwunden sind. Bekannte Geschichten von Übergriffen im Land der Vergewaltigungen spuken uns durch den Kopf und wir streiten, ob wir eher Geld oder unser lächerliches Schweizer Messer bereitlegen sollen. Am Ende passiert nichts, aber am nächsten Morgen, an dem wir eigentlich ein Taxi bestellt haben, um unsere erste Etappe in Richtung Zanskar zu absolvieren, gehen die schweigenden Inder zu einer ausgeklügelten Taktik der Belagerung über. In zehn Meter Etappen nähern sie sich in einem guten Dutzend junger Männer schrittweise an uns und unsere gepackten Sachen an. Ich kann mich nicht erinnern schon einmal Angst vor anderen Menschen als den Kindern bayrischer Bauern in meiner Grundschulklasse gehabt zu haben, jetzt werde ich eindeutig nervös.

 

Als sie nur noch fünf Meter vor uns stehen, zerbricht die Sprachlosigkeitund sie erwidern endlich unsere Begrüßung und unsere Blicke. Von gesichtslosen, potenziellen Tätern werden sie mit einem Schlag zu den schüchternen, an Unterwerfung durch Reichere gewohnten Menschen, als die sie geboren wurden.

 

Als Ashish, der Ex-Junkie, pünktlich mit einem Taxi erscheint (und damit zum zuverlässigsten Begleiter der ganzen Reise avanciert), meint er zu unser Schilderung nur lapidar, für diese Menschen seinen westliche Frauen eben alle Pornostars. Man wisse da nie, wie sich eine solche Situation entwickele. Ein bisschen ausgelebte Neugierde oder eben Gang Bang wider Willen. Jeanne findet es nicht so lustig und ich schäme mich für die Exportprodukte der Welt, aus der wir kommen. (Mehr noch als für den Verpackungsmüll, der überall die Flüsse verstopft und ein weiterer Exportschlager im Land der gegenüber aller Art von Abfällen vollkommen Unbekümmerter ist.)

 

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 Blick aus dem Zelt, 3500m nach oben. Nun.

 

 

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 Ja, was soll man da noch sagen... Vor dem Nun-Gletscher.

 

Wir fahren durch die Wüste und nehmen Antibiotika gegen den dann doch nicht so sauberen Fluss. Wir sehen Antilopen und Klöster, orange-rote Hänge und den Indus zu unseren Füßen, das Moonland bei Lamayuru und schließlich den Wechsel in muslimische Gefilde kurz vor Kargil, der zweiten größeren Stadt (10.000 Einwohner) des Ladakh. Die Stadt hat etwas Morbides, aber die Menschen bleiben ein bisschen mehr auf Distanz, was vor allem die Kinder entlastet. Jeanne zahlt als Frau die doppelten Preise wie ich, aber die Märkte sind ein Spektakel und das Handeln an sich ebenfalls. Ich verbringe zwei Stunden damit dem Guesthouse-Betreiber zu vermitteln an welchen Ort wir gefahren werden wollen, aber es findet sich keine Möglichkeit weiter als bis ins letzte muslimische Dorf vor dem wiederum buddhistischen Rest des Suru-Valleys zu kommen. Retrospektiv betrachtet sehr zu unserem Glück.

 

Mit dem Bräutigam haben wir ausgemacht, ihn über unseren Aufenthaltsort irgendwo im Nun-Kun-Gebiet (die mit über 7000 Metern zwei höchsten Gipfel der Region) vorab zu informieren und einen Tag auszumachen, an dem er uns jemanden mit dem zugesagten Auto entgegenschicken wird, um so zur Hochzeit zu gelangen. Er sei immer erreichbar und wir müssten nur anrufen oder eine Nachricht senden. Wir danken ihm vielmals für seine Mühen und brechen von Kargil aus in die Bergwelt auf. Die Straße, die bisher bis auf wenige Ausnahmen einer ganz ordentlichen Landstraße geglichen hatte, verwandelt sich schnell in einen SAF, einen Schlechtest Anzunehmenden Feldweg.

 

Parkachick heißt das Dorf direkt unter dem imposanten Gipfel des 3500m höher liegenden Nun und auch wenn wir hier nur kurz Station machen wollten, wird dies unser kleines Paradies, unser Rückzugsort auf dieser Reise. Doch das werden wir erst viel später begreifen.

 

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 Rücken unvergesslicher Elefanten im Zanskar.

 

 

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 Und man lasse den Wahnsinn beginnen! (Ich weiß, ich bin ein bisschen voraus mit den Bildern, weiß auch nicht warum)

 

Für den Anfang bauen wir unser Zelt in einem Weidenhein zwischen Yaks und einigen verstreuten Häusern auf und nachdem sich ein paar Halbwüchsige an Jeanne satt gesehen haben, beziehungsweise wir sie recht klar dazu aufgefordert haben, sich augenblicklich satt gesehen zu haben, bekommen wir nur noch reine Gastfreundschaft zu spüren. Die lose verschleierten Frauen und Mädchen des Dorfes umlagern uns, spielen mit den Kindern und bringen uns ab dem 2. Tag zu essen. Yakmilch und Fladenbrot. Über uns ergießt sich der längste Gletscher des Ladakh vom Nun her und bringt ca. sechs verschiedene Arten Gneiß mit sich, in allen Farben und Formen, bereits gebürstet oder mit ein paar Flechten, auf jüngeren Moränen im Schutt oder auf älteren mit sanftem Grün bewachsenen, direkt unter Seracs gelegen oder neben kleinen Sandstränden am Fluss eingebettet. Die Zustiege sind selbst auf knapp 4000m verträglich und die Wanderungen in der Umgebung überfallen uns, die wir nicht einmal eine Karte des Gebietes haben, mit bizarren Einblicken in den knackenden Gletscherbruch oder pittoresken Schultern hoch über dem Tal des Suru.

 

Zum ersten Mal kommen wir ein bisschen zur Ruhe, das Wasser ist sauber, der Stuhlgang normalisiert sich und langsam brechen wir nicht mehr bei Sonnenuntergang in unseren Schlafsäcken zusammen, sondern befinden uns tatsächlich in der Lage noch eine Stunde oder zwei ein Buch zu lesen. Ich kristallisiere zwei geniale Linien, die irgendwo jenseits der 8B siedeln heraus, und als der Abreisetermin Richtung Hochzeit näher rückt, freue ich mich schon auf den Rückweg, der uns zwangsläufig wieder hier vorbei führen wird.

 

Zunächst einmal aber müssen wir aus diesem Dorf, in dem es keinen Handyempfang und nur ein Telefon 3km weiter gibt, wegkommen. „Alles kein Problem“, sage ich, immerhin haben wir den Bräutigam insgesamt drei Nachrichten und ein halbes Dutzend Anrufe in Abwesenheit „geschickt“, wo wir wann an der Straße stehen. Er wird uns sicher nicht vergessen haben. „Da bin ich mir nicht so sicher“, sagt Jeanne. Wir stellen uns an die Straße. Wir warten. Und warten. Ein kalter Wind zieht auf und es bläst uns den Staub um die Ohren. Es dämmert und niemand kommt. Es wird Nacht und niemand ist gekommen.

 

Jeanne hatte Recht in ihren misanthropischen Gefühlen.

 

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 Würdenträger des Dorfes.

 

 

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 Sänge und Getänze.

 

Wir kehren zurück zu unseren komplett gepackten Sachen und stellen fest, das Yaks einen Teil unserer Vorräte geplündert haben. Wir hatten sie zu offen stehen lassen. Ein Gefühl der inneren Verwahrlosung stellt sich ein, aber die Nachbarn fangen uns auf, laden uns zum Tee und schenken uns neues Mehl und ein paar Eier.

 

Wir bauen das Zelt wieder auf und stellen uns die Frage, wie wir es innerhalb eines Tages schaffen sollen, die Eintagesreise ins Zanskar zu beschreiten.

 

Irgendjemand erzählt uns, dass es einen Taxifahrer im Ort gibt. Ich laufe insgesamt zweimal die vier Kilometer zu seinem Haus, dann habe ich einen Deal in der Tasche. Für gut 100 Euro fährt er uns die knapp 200 Kilometer zur Hochzeit. In einem Wagen, der am besten durch „abgespeckte Version eines zehn Jahre alten Fiat Panda“ zu beschreiben ist.

Am nächsten Morgen um sechs geht es noch in der Dunkelheit los. Die Matten auf dem Dach, zwei von fünf Sitzen voller Gepäck, aber die dicken Boxen auf der Hutablage noch beinahe frei. Muslmisch-ladakische Klänge, die an eine Dauerschleife des Muezzin erinnern, der in Parkachick zum ersten Mal um drei Uhr morgens schreit, und eine Straße, die in ihrer Grottigkeit alles bisher gesehene in den Bereich der Lächerlichkeit verschiebt. Aus dem SAF wird die SABP, die Schlechtest Anzunehmende Befahrbare Pfütze.

 

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 Unmerklich frisst sich der Regen durch die Dächer.

 

 

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 Elefanten, jetzt eingeschneit.

 

Dann stechen wir ein in das, was einem jeden Boulderer, der auch nur einen Hauch von einem Sinn für Ästhetik besitzt, wie der erste Schuss in einer langen Karriere als Junkie vorkommen muss. Vorkommt, besser gesagt. Ich bin zwar eigentlich ein Routenkletterer, aber eben doch immer mehr ein Boulderer. Seit diesen beiden... Kindern. Die Sonne ist soeben aufgegangen, träge hängen die Gletscher von den 2000 Meter hohen Flanken über uns und immer tauchen „Dinger“ auf, die irgendwie an den Fitz Roy und so erinnern, vermutlich aber nicht einmal einen Namen tragen. Und zu Füßen dieser bis zu 500 Meter hohen Granitwände tummelt sich ein gigantisches Blockfeld. In unserer sehr bescheidenen Reisegeschwindigkeit von etwa 15km/h brauchen wir schon mit dem Auto fast 20 Minuten, um es zu durchqueren. Irgendwo zwischen den bis zu haushohen Felsbrocken verläuft sich der durch breite Sandbecken mäandernde Fluss, der außerdem das Absprunggelände über die Jahrtausende mit seinen Sedimenten zu einer perfekten Ebene aufgefüllt hat. Zudem ist weit und breit keine menschliche Behausung zu sehen. Und folglich auch kein Müll.

 

Aber dieses Bonbon ist nicht für jetzt. Verstärkeraufschub nennt man das und es fällt mir in etwa so schwer wie es Jules schwer fällt ein echtes Bonbon vor sich auf dem Tisch liegen zu lassen.

 

Mit jedem Kilometer kommt das Dach weiter zu uns hinunter, weil sich der Fahrer nicht von meiner Idee inspirieren lassen wollte, die Matten quer auf den Dachholmen, statt längs dazwischen zu montieren. Mehrere Male rumpsen wir mit dem Unterboden auf irgendwelche Felsen und auf den folgenden, sehr sandigen Streckenabschnitten machen sich zunehmend die entweder neuen oder schon seit Längerem bestehenden Löcher im Boden bemerkbar, durch die von nun an kiloweise Staub ins Wageninnere gepustet werden. Murmeltiere säumen die Straße und in Richtung Pensi La, dem Übergang ins Tal des Zanskar und irgendwann sind es so viele, dass ich Angst bekomme, die Warnungen des Auswärtigen Amtes vor Überfällen auf einsame Camper in der Region bezögen sich in Wahrheit auf marodierende Murmeltierbanden.

 

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 Wo war doch gleich der Berg?

 

 

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 Stimmt, da! (Immer noch Zanskar.)

 

Der Himmel verdichtet sich und als wir nach einer zermürbenden Fahrt und neun Stunden später im in seiner Größe und Weite irgendwie alles einatmende Zanskar Valley ankommen, bläst bereits eine steife, ein bisschen unheilvolle Brise. „Aber es gibt keinen Wetterbericht hier,“ lautet die Antwort der Braut auf unsere später gestellte Frage, mit welchem Wetter man angesichts dieses sich abzeichnenden Umschwungs in der Witterung denn für die folgenden drei Tage Festlichkeit rechne. Zunächst einmal aber ist das Erstaunen groß, uns überhaupt hier zu sehen. Immerhin hatte die Cousine des Bräutigams (die wir nie persönlich getroffen haben) das Gerücht verbreitet, wir hätten bereits nach zwei Tagen in Leh wieder die Rückreise in die Schweiz angetreten. Auch sonst habe man keine Nachrichten oder dergleichen von uns erhalten, was eben vorkomme bei diesem Netz. Wir verstehen, aber wir verstehen nicht ganz, dass uns niemand über die Unzuverlässigkeit des Netzes in Kenntnis gesetzt hat. Immerhin wollten wir eigentlich gleich bis in dieses Bonbon-Blockfeld, das wir bereits auf Google Earth ausgemacht hatten, vorstoßen. Und von da wären wir unter den gegebenen Umständen so schnell wohl kaum wieder weg gekommen. Aber wir wollen nicht rumzicken und im Grunde sind wir einfach nur erleichtert in die Kissen des Gemeinschaftssaals im Haus des Bräutigams sinken zu können und nach fast zwei Wochen endlich wieder ein umfangreicheres Gespräch als What is your name, Where are you going und Where do you come from mit einem der anderen 40 europäischen Gäste zu führen. Zudem deutet sich bereits nach wenigen Stunden eine in unserem Leben einmalige Erfahrung ab: Während der folgenden fünf Tage werden uns die Trekkingköche, die der Bräutigam für die Hochzeit zusammengezogen hat, reichlich und ausschließlich vegetarisch in einer Qualität aus tibetisch-indischer Küche verpflegen, das uns geschlossen Hören und Sehen vergeht. Und allein der Geschmackssinn übrig bleibt.

 

Dann beginnt das eigentliche Fest und es ist unklar, ob gerade jetzt ein Schmetterling am anderen Ende der Welt mit den Flügeln schlägt, oder ob er es bereits in den Tagen zuvor getan hat, in jedem Fall muss das Chaos bereits auf dem Weg zu uns sein.

 

Aber es gibt ja keinen zuverlässigen Wetterbericht für die Region.

 

Die Berge direkt über uns heißen Chang nGo und Chang heißt auch das Gerstenbier in den offenen Fässern, das man gegen zehn Uhr Vormittags auszuschenken beginnt. Ein paar Alte in Tracht fertigen Dekoobjekte aus Tschmpa (Gerstenteig) an und der Himmel gibt sich vorerstt schüchtern bedeckt. Das Thermometer dümpelt wie ein müde Badeente um die 15 Grad herum und zum ersten Mal kann ich auch tagsüber Portraits fotografieren, die nicht von den härtesten Schatten der Welt dominiert werden. Alles ist ruhig.

 

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 Felder, Ränder aus Schnee.

 

 

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 Und wieder im Suru, hier Rangdum.

 

Das Brautpaar ist an diesem ersten Tag im Grunde der Hochzeit nur Nebendarsteller, der Bräutigam läuft noch immer in Trekkingführermanier und Bekleidung organisierend durch die Gegend und nur die Dorfältesten und Delegationen beider Familien (die der Braut wird durch sitten- und sprachkundige Einheimische ergänzt) ergehen sich in stundenlangen Tänzen und einer Art Hip-Hop-Battle, bei dem jene Seite weniger Roupies zu zahlen hat, die die Vorzüge des eigenen Clans besser in siebenhebige Jamben verpackt. Oder so ähnlich... Die Gästezahl nähert sich kontinuierlich den 300 an und die Köche schaffen es tatsächlich alle diese Menschen, die sich inzwischen wie bei einem zu eng konzipierten Open Air Konzert dicht an dicht im Hof des Hauses drängen, mit drei Gängen und sechs verschiedenen Speisen zu versorgen. Man isst mit Streichhölzern und eher gleich mit den Fingern und man trinkt Chang und dann Rum. Aus der hohlen Hand.

 

Die Braut darf endlich aus ihrem Versteck und wird nun von einem zunehmenden großen Haufen Kataks (jeder Wunsch ein Schal) begraben. Man sieht nur ihre von der Kälte roten Hände, denn der Schleier darf noch nicht gelüftet werden und bewegen darf sie sich anscheinend auch nicht. Geschenke sammeln sich unter dem Baldachin und nur die Tierherden, die der Brautvater spendiert treten nicht persönlich auf. Es gibt noch einmal eine (die dritte) Zwischenmahlzeit zwischen Mittag- und Abendessen und wir stellen kauend selbstkritische Fragen wie diese: „Dürfen wir uns in einem Landstrich, in dem im Winter mitunter das Essen ausgeht, zur Völlerei verleiten lassen?“ Bei mir zumindest überwiegt allerdings eindeutig die Lust am Kauen und Scchlulcken, denn die Höhe der letzten zwei Wochen hat uns in bisher nicht bekanntem Ausmaße von innen her ausgefressen und ich werde auch noch die folgenden Tage in der Lage sein ganz unglaublich oft ganz unglaubliche Mengen zu verzehren.

 

Dann wird die Braut von Freunden des Bräutigams auf einem Pony entführt. Der Tross folgt hinauf zum Elternhaus der Familie und endlich lässt so auch der Ansturm auf Aliénor nach, die bis dahin stets zwei Dutzend Einheimische um sich schart, die sie alle einmal berühren, in die Backe kneifen oder aufwecken wollen. Als wäre das Kind ein Talisman. Aber blonde Babys hat hier anscheinend noch niemand gesehen. Denn: Welcher Europäer ist schon bescheuert genug Untereinjährige ins Zanskar zu verfrachten?

 

Der Abend nimmt nun zum Teil im Inneren des Elternhauses seinen Lauf und endlich tritt das Brautpaar auch zusammen auf, tafelt und gilt damit offiziell als vermählt. Die Divise Chang nGo wird immer mehr zu Chang nFall und der schlafende Jules erlebt mehrere unfreiwillige Biertaufen.

 

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 Schönheit ad absurdum.

 

 

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 Uns hätte der Fluss auch fast gefressen.

 

Der erste in der zeremoniellen Symbolik wichtigste Tag der Hochzeit ist bei insgesamt gnädigem Wetter erfolgreich über die bewegte Bühne gegangen und während die ersten Schweizer schon von Ermüdungserscheinungen sprechen, fand ich gerade dieses in der anarchisch-anarchistischen Menge Untergehen reizvoll, da so verschieden vom steten Organisieren eines Familientrips im Nirgendwo der letzten zwei Wochen. Außerdem war auch ich natürlich noch nicht gewieft genug im Ablehnen der vielen Trinkaufforderungen der Einheimischen, um auch nur halbwegs nüchtern geblieben zu sein. Und wie auch schon ein vereinzelter Joint mit Ashish vor ein paar Tagen, wirkt der Alkohol auf 3600m noch eine Ecke beflügelnder oder auch psychotischer als zuhause am Boden der Erdkruste. Chang nFly eben.

 

Der zweite Tag steht ganz im Zeichen des Tanzes, der wechselseitigen Einladungen bei allen möglichen Verwandten und natürlich erneut des Chang. Und des Arak (eines schwarzgebrannten Tropfen, der zudem von Rum flankiert wird). Alles unter freiem Himmel versteht sich. Nur dass der Himmel nicht frei ist, eher dicht bestückt mit Regentropfen gibt er sich. Aber Regen dauert hierzulande immer nur eine halbe Stunde und normalerweise sprüht es mehr, als dass es wirklichen Niederschlag gäbe, aber obwohl der Bräutigam das Ende alle halbe Stunde für in einer halben Stunde prognostiziert, regnet es einfach weiter. Und weiter. Und weiter. Wir essen beim Onkel, bekommen Yakmilch für Aliénor, die sofort alles ob des erheblichen Fettanteils ausspeit, wie ein Drache verdorbenes Feuer, und lassen uns erklären, dass dies alles an der fehlenden rechten Socke und der damit verbundenen Kälteeinwirkung des Kindes liege. Oder am Staub, aber der kann es heute nicht sein, schließlich staubt es nicht mehr. Es schlammt ja längst. Wir versuchen zu erklären, aber die Menschen sind felsenfest von ihrer Theorie überzeugt und also lassen wir es. Dreckiges Wasser, nicht abgekochtes Essen und ständige Berührungen sind für diese Menschen kein Problem, aber Staub und Kälte. In einem Land, in dem es im Winter regelmäßig minus 30 Grad kalt ist.

 

Jules hat in der Nacht auf „gefiltertem Wasser“ erbrochen, aber ansonsten sind wir bis hier (also immerhin schon zwei ganze Wochen) weitgehend von Magen-Darm-Beschwerden verschont geblieben. Unsere Reise stellt sich für uns, genau wie die aktuelle Hochzeit, noch immer als eine Vermählung aus freien Stücken der Liebe dar. Wenn auch ein bisschen eingetrübt vom nicht enden wollenden Regen.

 

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 Verzaubert, verhext? Die Blöcke am Suru.

 

 

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 Kalt ist es vor Sonnenaufgang. So minus 15.

 

Wir kehren vom Onkel vollgekotzt wie wir sind oben ohne nach Hause zurück. Die immer kälteren Tropfen erfrischen die Haut. Ohnehin haben wir lange nicht geduscht, was erstaunlicherweise auch nicht wirklich notwendig ist in der trockenen Höhenluft, in der man kaum schwitzt. Gegen Nachmittag ereifern sich die ersten Deutschschweizer ob der unzulässigen Handwerkskunst der Zanskari in Sachen Abdichtung ihrer Häuser, es beginnt hier und da durch die Flachdächer, die lediglich mit dreißig Zentimeter Staub gedeckt sind, zu tropfen. Ich lache, denn es ist lächerlich und das Wasser hat sich ja längst auf dem Dach gesammelt und beginnt erst durchzudrücken. Außerdem sieht es in keiner Weise nach einer Aufklarung des Wetters aus.

 

Die Tänze werden ins Gemeinschaftshaus des Ortes verlegt und wir sind vor allem retrospektiv ganz froh, uns hinter der Ausrede, unsere Kinder seien krank und müde, „zu Hause“ verstecken zu können. Erschöpft aussehende Rückkehrer werden uns später erzählen, wie sich die über 300 Menschen, die zusammen in einem etwa 60qm großen Raum Platz finden wollten, gegenseitig niederrungen, übereinander liefen und überhaupt den Saal in ein Bad der Klaustrophobie verwandelten. Gleichzeitig wird die Braut weiter von Kataks eingehüllt, die zusammen mit ihrem opulenten Steinschmuck sich zu einer kiloschweren Last kumulieren, unter der sie zusammen mit der knappen Luft und den wabernden Menschenmassen zweimal im Lauf des Abends kollabiert. Zur Verteidigung der Einheimischen sei an dieser Stelle ausdrücklich darauf hingewiesen, dass es die Leute ausschließlich und 100%ig gut mit ihr und allen europäischen Gästen meinten, aber eben ein bisschen zu gut. Auch in Sachen Nachschenken der Rumgläser. Die meisten sagten irgendwann einfach nein, obwohl man das in Asien nicht tut und es die Ausschenkenden auch nicht verstanden. Die Geste Hand übers Glas führte trotzdem zum erwünschten Ergebnis.

 

Wir lauschen währenddessen dem sanften Rauschen des Wassers, wie es durch das Loch im Dach, das in extremis gestochen werden musste, um die Dachlast zu vermindern, in die große Tonne hinab rauscht. Eine halbe Stunde bei der Strahlstärke eines voll aufgedrehten Wasserhahns dauert es, bis sich das Dach langsam leert. Dann wird auch noch die Wand angestochen. Da alles aus ungebackenen und jetzt aufgeweichten Lehmzieglen gebaut ist, besteht die realistische Gefahr, dass das ganze Haus hier über unseren Köpfen zusammenbricht. Wir sitzen im einzigen Raum des Obdergeschosses, außer der Toilette, der noch nicht unter Wasser steht und wischen kleinere Mengen Kotze weg. Draußen regnet es unvermindert. Ich schätze die Niederschlagsmenge auf 30 bis 40mm. Bald haben wir die Halbjahresleistung des Tals erreicht.

 

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 Wasser speichernde Pflanzen im Morgengrauen. Eis sozusagen.

 

 

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 Das Ende des Blockfeldes. Eine Stunde ist man da unter Bouldern gelaufen.

 

Später schlafen wir und irgendwann erlischt das prasselnde Geräusch auf der improvisierten Plane zu unseren Köpfen. Am nächsten Morgen erfahren wir schnell den Grund für das Versiegen des Regens: Schnee. 15 Zentimeter betten uns ein und krönen die Surrealität dieser Veranstaltung.

 

Wir schreiben den 22. September. Mit gefällt die neue Stimmung des Zusammenhalts, den die kleine Katastrophe über die Hochzeitsgäste gießt. Vielen steht der Schrecken und beispielsweise die Angst, den Anschlussflug vom Genfer Flughafen in drei Tagen nach Madagaskar zu verpassen, ins Gesicht geschrieben, aber einige kommen auch in eine Art verkaterte Hochstimmung. Wieder andere fürchten sich vor den tropfenden Räumen. Dies hier ist nicht die Schweiz. Das hat auch der letzte jetzt verstanden. Unserem Verhältnis zur eigenen Reise tut das Wetter keinen Abbruch, wir sind eigentlich ganz froh, diese Front nicht in unserem Zelt erlebt zu haben. 30cm, erfahren wir später, hat es Parkachick geschneit. Noch denkt niemand von uns an eine vorzeitige Scheidung, eher haben wir wiederholt unseren Beschluss bestärkt, auch bis Mitte November noch im Ladakh zu bleiben und nicht dem Winter für die letzten Wochen in den Süden des Landes nach Hampi zu entfliehen.

 

Wir sind immer noch zufrieden mit unserer Entscheidung, doch gegen alle Widerstände hier her gekommen zu sein. Unsere Hochzeit im übertragenen Sinne war mit der Höhenanpassung und dergleichen ein bisschen heftig, aber die „Ehe“ passt. Soweit.

 

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 Schön sind die Blöcke im Suru und hoch.

 

 

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 Einer dieser wunderbaren indischen Laster von innen.

 

Die Wolken hängen tief und alle weiteren Hochzeitsetappen sind bis aufs erste ausgesetzt. Die Ernte, die überall, außer bei der Familie des Bräutigams, unter großen Planen lagert, muss gerettet werden und die Tiere versorgt. Die Stimmung ist zum Fotografieren einmalig und wenig später stehe ich mit Jules auf einem Hügel über dem Dorf. Die Hänge lösen sich mit steigenden Temperaturen langsam aus ihrer Überzuckerung und ich lege nur ungern die Kamera ab, um Jules zum plötzlich ganz dringenden Pipi aus seiner Regenhose zu helfen. Während ich ihn wieder in seine diversen Schichten einpacke, ruft er plötzlich: „Une grosse Vogel!“ 15m vor uns dreht gerade ein Himalaya-Adler ab. Wir hatten ihn wohl neugierig gemacht und waren nun doch als Beute ausgeschieden. Ich zappele mir einen ab, um meine Kamera an mich zu reißen und an meinem 600mm-Tele, das ich tatsächlich auch gerade montiert habe, auf den Servo-Autofokus umzustellen. Als ich das Auge schließlich am Sucher habe, ist der Adler längst nur noch ein Punkt am Horizont. Später bekomme ich ihn noch einmal kleiner aufs Bild, aber das Foto des Jahres ist verpasst.

 

Am Abend tanzen wir uns unter freiem Himmel durch diverse Stromausfälle und weitere Runden Arak. Die Berge leuchten weiß wie der Mond und die neuen Luftmassen klirren um uns herum. Es ist der Augenblick dieses Festes. Schwer zu vergessen.

 

Am folgenden Morgen ist der Nacht entsprechend der Himmel von neuem klar, als wäre nichts gewesen. Die Feierlichkeiten klingen den Tag über mit einigen weiteren Einladungen aus und 12 Stunden später sitzen wir in einem Jeep einheimischer Fabrikation auf dem Weg zurück ins Suru- Valley. Genauer in dieses eine Blockfeld unter dem Nun. Unser Aufenthalt im Zanskar ist mit fünf Tagen, gemessen an der Strecke und der Anstrengung der Strecke unsinnig kurz, aber praktisch alle Gäste reisen sehr zeitnah ab und das Brautpaar will anscheinend in Ruhe aufräumen. Außerdem hat vor allem Jeanne ein leichte Überdosis Buddhismus und Mensch im Allgemeinen abbekommen. Und dann natürlich beginnen die Keime der letzten Einladung langsam zu wirken und unser Instinkt treibt uns in die Einsamkeit. Die Echte.

 

Rangdum heißt das letzte Dorf vor unseren Blöcken und es gilt als einer der kältesten ständig bewohnten Flecken der Erde. Das spürt man auch schon im September, diesem September, der mit Minusgraden auch tagsüber eher ungewöhnlich kalt zu Ende geht. Wir haben uns trotzdem entschieden die angesagten paar Tage Kaltluft, die beinahe auf die Stunde genau am folgenden Dienstag zu Ende gehen werden (so viel zum Thema Wetterbericht) trotzdem hier oben zu bleiben, anstatt erst einmal wieder tiefer ins Tal vorzustoßen, um in der Folge erneut aufzusteigen. Wir sprechen hier von 25km einfacher Strecke. 25km, die über drei Stunden Fahrzeit in Anspruch nehmen und die wir auf keinen Fall zwei mal mehr als unbedingt notwendig absolvieren wollen.

 

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 Und noch einmal Nun, fast schon ein weing ein Abschiedsbild.

 

 

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 Aber ein paar Schmankerl gibt es natürlich schon noch.

 

Wir werden unsere Entscheidung noch bereuen. Zunächst einmal aber sieht alles aus wie das Paradies. Unzählbare Hammerlinien, eine bombastische Landschaft und zweifelsohne sauberes Wasser (denn wie sollen bitte die zehn Häuser flussaufwärts ca. 10 Hektoliter Wasser in der Sekunde verschmutzen?). Wir trinken und frieren, denn der Nun über uns hat die ungute Angewohnheit über den Tag eine Wolkenfahne anzusammeln, die dann den gesamten Nachmittag die Sonne verdeckt. Und der Unterschied zwischen Sonne und Schatten dürfte hier in etwa gefühlte 20 Grad betragen. Am zweiten Tag holt uns dann noch einmal ein Virus von der Hochzeit ein und wir verpesten uns selbst eine Nacht lang das Zelt, dann kommt von neuem ein bisschen Schnee und stockt die Reste unter den Blöcken, die schon seit Tagen nicht schmelzen wollen, auf. Irgendwo platziere ich einen Tag Klettern und dann wartet schon die nächste Welle Bakterien. Wir verlieren den Überblick, woher die nun kommen konnte, aber wir hätten gut daran getan, genauer nachzudenken. Da war doch dieser kurze Stopp mit kleinem Snack in Restaurant in Rangdum gewesen...

 

Schon in der ersten Nacht in dieser exorbitanten Wildnis fällt uns ein, dass wir ja nicht mit dem Proviant im Zelt schlafen sollten, weil es hier schließlich Bären und Wölfe gibt. Wir beheben den Fehler in der Planung am nächsten Abend, aber das Gefühl, wenn man Nachts unter einem bleichen Mond austreten geht, bleibt: Irgendwo hier läuft er herum. Dazu kommt diese Kulisse, die nur schwer zu beschreiben ist und die mich, der ich seit Kindertagen nie mehr Angst in der Natur hatte, doch einschüchtert. Das Gegenteil von Geborgen Sein. Into This World We're Thrown.

 

Die Kälte zieht aus uns heraus, was die Höhe übrig gelassen hatte, und wir (vor allem ich, der ständige Zivilisationskritiker) schwadronieren den Tag lang von praktisch jeder möglichen Art von Kalorien. Interessant ist, dass unser Komfortlevel dermaßen herabgeschraubt ist, dass wir nicht das Bier am Abend oder den Kaffee am Morgen (von denen wir beides, abgesehen von den Tagen auf der Hochzeit, an keinem Ort haben) vermissen. Unser Entzug ist so basal, dass wir einfach nur sauber trinken, ausreichend essen, nicht frieren und nicht im Staub schlafen wollen.

 

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 Rot gebouldert am Suru.

 

 

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 Ja, das ist das, was so teuer ist als Schal. Paschmiga, aber noch an der Ziege.

 

Zumindest die Tageskälte verzieht sich, wie oben erwähnt, nach einer knappen Woche pünktlich auf die Stunde. Die Tage werden klar und warm und die nächtlichen Minus 15 mildern sich auf Minus 10 ab. Ich arbeite mich ganz gut in einem recht schweren Projekt voran und unbewusst ziele ich schon jetzt auf diese magische Schnittstelle der maximal möglichen Leistung in diesen Gefilden. Nach drei Wochen ist die Höhenanpassung beinahe vollständig vollzogen, die Sonne hindert mich ebenfalls nicht mehr am Gas geben, gleichzeitig sind wir alle bereits ein paar Kilo leichter, hoffentlich ohne dass sich der Körper bereits an den eigenen Muskeln gütlich getan hat. Zudem hält sich die generelle bakterielle Belastung noch in einem erträglichen Rahmen, der Durchfall hat auf der anderen Seite aber schon das eine oder andere Kilo Wasser zusätzlich aus mir herausgezogen. Wichtig ist auch, dass die schon seit zwei Wochen schwelenden Nagelbettentzündungen, die vor allem dem ständigen auswaschen von Kot und Erbrochenem geschuldet sind, es mir ebenfalls noch erlauben unter, wenn auch grenzwertigen, Schmerzen doch noch normal zu klettern. Der Durchstieg scheint zu nahen.

 

In irgendeiner dieser von Krankheitsattacken durchzogenen Nächte fällt dann zum ersten Mal das Wort Scheidung, bzw. vorzeitige Abreise zwischen den im Wind knisternden Zeltwänden. Noch ist es nur eine momentane gedankliche Ausflucht aus dem ein oder anderen besonders ekelerregenden Schwall, aber es wird, wenn auch zwischenzeitlich wieder verworfen, von hier an nicht mehr aus unseren Köpfen verschwinden.

 

Zunächst wollen wir zumindest unser Blockfeld hier oben, für das wir extra drei Wochen Lebensmittel beschafft hatten, früher als geplant verlassen. Zum einen wegen der Kälte und der mitunter unheimlichen Abgeschiedenheit, dann aber auch aus ganz praktischen Gründen: die nur noch begrenzte Lebensdauer meiner einzigen bereits jetzt halb kahlen Stahlbürste erlaubt es mir nicht all die Linien, die sich in meinen Augen verbeißen, zu putzen. Außerdem sind es einfach zu viele und die meisten (will man nicht im Verhältnis an lächerlich kleinen Blöcken klettern) sind grenzwertig hoch für meine beiden Matten und dem nächsten Krankenhaus in zwei Tagesreisen Entfernung. Zwar reizt mich diese Mischung aus Ausgeliefert sein und sieben Meter hohen Ausstiegen, die ich kurzerhand Die (statt High) Bouldering taufe, aber man soll das eigene Glück auf flechtigen Mantles im Onsight ja auch nicht überstrapazieren. Jedenfalls beschließen wir endlich mal einen Treck auszuprobieren und außerdem ein paar mehr Destinationen zu besuchen.

 

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 Jeanne bändigt den Leoparden.

 

 

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 Den Gletscher kennen wir schon, aber den Block noch nicht. 7B, oder so.

 

Ein Plan, der zwei Tage bestand hat, dann laufen wir (um eben jenen Treck zu organisieren) ins etwa 10km entfernte Rangdum. Das Tal des Suru ist wunderbar und flach und wir sind ziemlich genau so beladen, wie wir es beim trekken auch wären: Tagesgepäck, Fotoausrüstung, Kinder. Macht gut 40kg. Wir wissen bereits vom Wandern, wie schwer Anstiege in dieser Konfiguration auf Herz und Lunge lasten, jetzt dürfen wir erfahren, wie sehr das vorne (Kind) und hinten (Rucksack) zugleich Tragen über längere Distanzen zu Verspannungen führen. Wir kommen reichlich kaputt in Rangdum an und streichen das Trekking erst einmal von der Liste. Das Restaurant lockt mit einem würzigen Mittagessen und das haben wir uns auch redlich verdient. Später, als wir uns auch wieder erinnern an diesen bakteriellen Snack eine Woche zuvor, werden wir etwas bleich lächelnd fragen: „Haben wir schon einmal eine so große Anstrengung unternommen, nur um uns im Anschluss zu vergiften?“

 

Bis hier waren wir zunächst wenig, dann intermittierend krank gewesen, von jetzt an sind wir es permanent. Und das Wort Scheidung nimmt innerhalb kürzester Zeit ganz andere Ausmaße an. Nicht schneller weiterreisen wollen wir, so schnell wie möglich abreisen heißt der neue Plan. Dies ist ein Land ohne doppelten Boden. Normalerweise kann man, wenn einem das Zelten zu unwirsch wird, in eine Pension gehen. Hier heißt Pension und selbst Hotel (was es hier oben ja auch gar nicht gibt) Essen wie in Rangdum. Auch der Kälte nach Süden ins heiße Hampi zu entfliehen ist nicht wirklich Option, haben uns doch die lokalen Kletterer erzählt, dass selbst sie dort reihenweise krank werden. Und selbst das Land zu verlassen ist nicht so ohne weiteres und vor allem nicht so schnell möglich. Wir haben einen zweigeteilten Rückflug über die Türkei. Dort wollen wir jetzt die letzten sechs Wochen verbringen.

 

Wir geben uns noch einen Tag im Bouldergebiet. Im letzten Moment noch halbwegs bestehender Gesundheit klettere ich mein Projekt. Bacteria taufe ich es und auch wenn es in normaler Meereshöhe ca. 8B wäre, ist es auf 4000m eben doch eine Ecke schwerer. Ich sag mal 8B+. Denn ohne mehrere Wochen Akklimatisierung ist in den 25 Zügen, für die ich fünf ganze Tage investieren musste, und die mir beim anschließenden Filmen schon wieder sau schwer erscheinen, gar nichts zu machen. Auch mich saugt der Durchstieg dermaßen aus, dass ich im Anschluss vollkommen high durch die wabernde Blockwelt schwebe. Ich bin glücklich. Nicht nur, dass wir die Heimreise antreten. Hätte sich dieser Trip doch nur mehr in die gerade erlebte Richtung entwickelt... Schön wär's gewesen. Aber jetzt ist dieses Land in uns drin. Tief drin. Und erst als ich zwei Wochen später diese Zeilen schreibe, geht es so langsam wieder raus.

 

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 Blick auf Parkachik.

 

 

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 Da unten waren Bärenspuren, ohne Scheiß...

 

Die Kamera glüht noch, da stellen wir uns an die Straße und tatsächlich nimmt uns direkt einer dieser berüchtigt bunten indischen Lastwagen nach Parkachik mit. Die Fahrt mit Einladung zum Lunch auf einer windig kargen Wiese wird dann wieder so original leibenswert, dass wir fast ob unserer Entscheidung, alles abzubrechen, etwas wehmütig werden. Diese Stimmung zieht sich in den Abend hinein weiter, an dem wir an unserem alten Platz ankommen, alte Gesichter sehen. Einem der Mädchen ist in der Zwischenzeit ein Zahn ausgefallen. Sie lachen, als sie uns wiedererkennen. Wir sind gerührt. Ich sehe die Blöcke mit meinen beiden Projekten wieder. Fast überkommt uns der Ausstieg vom Ausstieg, als wir uns in die Schlafsäcke kuscheln. Aber die Nacht sorgt zuverlässig für die nächste Welle Brechdurchfall. Zwei Tage nach unserem Besuch im „Restaurant“ von Rangdum hat es jetzt auch Jules, der nicht so viel vom verdorbenen Reisgericht gegessen hatte, voll erwischt. Am nächsten Tag gehen wir noch einmal wandern, um endlich auch einmal den Gipfel des Kun (und nicht nur des Nun) zu sehen, aber die Tour wird eher zur Quälerei, angeschlagen und spannungslos wie wir insgesamt und ich im Speuziellen nach meinem Durchstieg vom Vortag bin, für den mein Körper noch einmal alles Kranksein aufgeschoben hatte. Unter uns hat sich in unseren zwei Wochen Abwesenheit der Herbst ausgebreitet, orange liegt er über den wenigen Bäumen im Flusstal und weiß auf dem gigantischen Gletscherbruch. In einem entlegenen Winkel hinter einem Grat entdecken wir Bärenspuren. Auf dem Abstieg spielen sich zwei Adler über uns in der Luft. Trotzdem bleiben die letzten vier Wochen auf knapp 4000m relativ tierarm. Hin und wieder ein größerer Greifvogel, ein paar Antilopen, Murmeltiere am Suru, sonst eher Yaks und Pferde. Einmal ein Steinmarder, der unsere Vorräte annagt. Überlege ich mir, was ich an 15 Tagen über diesen Sommer verteilt an meinem Heimkletterspot Jansegg in den Schweizer Voralpen beobachten dürfte, kommt einiges mehr zusammen: Eine Herde von über 40 Gämsen, Murmeltiere, kleine und große und einmal eines nur einen Meter neben dem Weg, Steinadler, einmal ebenfalls aus nur 20m Entfernung, Turmfalken, die die Adler attackieren, zweimal durchziehende Geier aus den Pyrenäen und zu guter Letzt zwei Wölfe im April, als das Tal noch vollkommen verschneit ist. Aber der Winter im Himalaya macht eben die allermeisten Tiere platt.

 

Am nächsten Tag machen wir noch ein paar der Fotos, die wir hier unbedingt schießen wollten, am Fluss ist es windstill und warm, wieder könnten wir uns fast vorstellen, doch noch ein paar Tage länger zu bleiben, dann fällt die Entscheidung. Definitiv. Wir kehren zum Zelt zurück und finden einen Haufen Zelttuch und geborstene Stangen vor. Yaks haben auf der Suche nach Anhrung alles zerlegt. Notdürftig kann man noch darin schlafen, aber weder Wind noch dem geringsten Niederschlag können wir hier drinnen noch harren. Zelte kann man zudem angeblich kaum kaufen im Ladakh und wenn dann nur in Leh. Wir verschenken unseres und alle andere Ausrüstung, die wir nicht mehr unbedingt brauchen. Unsere Nachbarn können ihr Glück kaum fassen und dann sitzen wir auch schon in einem Taxi und holpern die Straße Richtung Kargil hinab. Ein zwei Mal ergießt sich über uns noch der ein oder andere Schwall, dann sind wir im Hotel und denken schon, wir könnten zum ersten Mal seit über drei Wochen wieder in Kontakt mit der Außenwelt treten, da bricht das Netz in der Stadt zusammen. Die Nacht wird die bisherige Krönung der allgemeinen Verunreinigung und am nächsten Morgen brechen wir in einem anderen Hotel tatsächlich ins WWW durch. Wir eruieren Srinagar-Dehli-Istambul als den schnellsten und günstigsten Fluchtweg und sitzen schon Mittags im Taxi zum ersten Zwischenstopp. Die Straße fällt über einen unbefestigten Pass 1500m in die Tiefe und am Ende des Tages befinden wir uns nur noch 1500m über dem Meer. Die Luft ist dick und üppig und trotz vieler sehr schlechter Nächte in Folge bekomme ich Lust auf einen Halbmarathon. Oder so ähnlich... Ich schmiede Pläne, wie ich den Boost abnehmender Meereshöhe zusammen mit in der Höhe verlorenen Kilos in Südamerika strategisch einsetzen könnte, um 9b zu klettern.

 

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 Och, da stürzt ja eine Straße ab. Auf dem Weg nach Srinagar.

 

 

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 Dal-See.

 

Srinagar hat etwas Herbstliches, Normales. Ein Gefühl von Heimat kommt auf in einer ganz fremden Kultur, allein durch den Wegfall des wüsten und der unmenschlichen Höhe. Wir sehen zum ersten Mal eine fast nicht auf Touristen ausgerichtetes Stadtleben mit den entsprechenden Preisen, die nur ein Bruchteil derer in Leh betragen. Es will uns schon wieder gefallen, auch wenn wir uns am Vormittag vor dem Abflug nach Dehli noch zu einer Kaffeebootsfahrt auf dem Dal-See überreden lassen, auf der uns ein Händlerboot nach dem anderen kapert und wir mit allem möglichem Krimskrams enden.

 

Leider sind selbst das Essen in unserem höherklassigen Guesthouse und die Backwaren um die Ecke wieder nicht unbedenklich zu genießen und unser Gesundheitszustand ist unter der bakteriellen Dauerbelastung weit davon entfernt sich zu erholen. Dehli am Abend setzt da nur wieder eine weitere Schippe drauf. Wir reisen in einem Strom von Mekkapilgern und komplettieren unseren Fahrtenkatalog nach Rikscha und Metro auf der Hinreise durch eine Busfahrt in Indiens Hauptstadt. Wohlgemerkt mit 80kg Gepäck und zwei großen Bouldermatten. Die Pilger würden nicht im Traum daran denken uns mit unseren vor Übermüdung schreinenden Kindern sitzen zu lassen und belegen vor allem Jeanne mit boshaften Blicken. Sie trägt ihre (ohnehin nicht besonders langen) Haare schon wieder offen. Wir haben kein Ticket und am ganzen Flughafen gibt es kein Internet. Man will uns auch in keiner der vielen Lounges nächtigen lassen und obwohl uns ein Reisebüro am nationalen Teil des Flughafens (vor der halbstündigen Busfahrt) versichert, wir könnten am internationalen Flughafen problemlos einen Flug für den nächsten Morgen buchen, reiht sich auch diese Information in den 70%igen Anteil von Falschaussagen ein, der einem in diesem Land tagtäglich widerfährt. Letztendlich werden wir von einem Flughafenangestellten genötigt für 80€ ein Zimmer im Flughafenhotel zu beziehen, in dem es tatsächlich Internet gibt und von dem aus wir nur noch läppische fünf Stunden brauchen, um einen Flug zu buchen. Und da wir erfahren, dass uns ein Mietwagen in der Türkei weitere 1000€ kosten würde und außerdem Kurden weggebombt werden, entscheiden wir uns kurzfristig für den ebenso teuren Flug nach: München.

 

Dort steht ein fertig ausgebauter Bus, dort haben wir realistische Chancen diesen Brechdurchfall loszuwerden und so richtig entspannt in Europa zum Bouldern rumfahren, was gibt es eigentlich Schöneres...?

 

Unser Flug hat 14 Stunden Aufenthalt in Abu Dahbi und Indien hatte seine wunderbaren und seine mit uns Europäern inkompatiblen Seiten, diese Stadt hier ist einfach nur schrecklich. Von vorne bis hinten. Aber jeder, der auf Interkontinentalflügen das Klima anheizt, sollte doch zumindest einmal gesehen haben, was mit seinen Petrodollars so gemacht wird. Auf dass er dann nicht mehr fliegen möge...

 

Ich zumindest lege meine Kamera nach der ersten „Sehenswürdigkeit“ weg.

 

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 Bye, bye. Dehli Flughafen.

 

Es ist der krönende Abschluss einer Reise von der Sorte: Gefallen, auf deren Asche wir die Zukunft unserer Kinder bauen. Wir haben ihn erwiesen, wir waren auf dieser Hochzeit, wir haben unsere Kinder bis dorthin gezogen, den schwersten Boulder Kontinentalasiens haben wir auch fabriziert, aber so selbstkritisch müssen wir sein: Gemessen an den ökologischen, finanziellen und auch (vor allem potenziell) gesundheitlichen Kosten war die ganze Unternehmung vollkommener Schwachsinn. Aber sie war auch eine gute Warnung. Als ich zu Hause merke, wie auch meine Form sich selbst gefressen hat, begreife ich, was diese fünf Wochen für eine außerordentliche Belastung gewesen sind. Und will man sehen, wohin wir außerhalb unserer schönen, reichen, sauberen und grünen Blase Mitteleuropa so gehen auf dieser Erde, darf man den Weg hier her wohl nicht scheuen. Man muss Armut, Elend, Dreck und auf Jahrzehntausende an- und abgelegten Müll auf der einen Seite und absolute, bedingungslose Verschwendungssucht auf der anderen Seite gesehen haben, um zu begreifen, dass vielleicht wirklich jeder bei sich anfangen sollte, ein paar Dinge besser zu machen.

 

Und eine Einladung, wie die unsrige, beim nächsten Mal eben ausschlagen.

 

Züruck