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Züruck

Einmal quer über den Kontinent

Oder: Flucht vor dem argentinischen Peso - (Versuch einer grünen Reise, Kapitel 3, 18.12.15 – 22.12.15)

Der erste Morgen dieser Reise, der eigentlichen. Ein Rastplatz irgendwo an der Autobahn, etwas Müll, zwei Laster, eine Tanke. Unser Bus. Wind und laue Luft. Ich laufe über den Schotter und mir kommen Tränen. Das hier ist Natur, zumindest etwas. Noch nicht sehr pur, aber ein Anfang. Vier Wochen Künstlichkeit. Erst drei auf dem Schiff, dann eine in Buenos Aires. Plastik und Beton. Wunderbare Sonnenaufgänge über dem Atlantik, ja, aber anders. Ich habe es selbst nicht wirklich wahrgenommen, es war ja keine Einzelhaft. Und doch fällt mir der Unterschied wie Schuppen von den Augen, jetzt da ich im Morgenwind über diesen Parkplatz in der weiten, platten Pampa laufe. Dazu zum ersten Mal wieder selber Frühstück selber machen, nur ein Croissant und Mate an der Sitzgruppe im Bus und doch schon wieder der Geist des Reisens, wie Reisen für mich eben ist. Simpel, keine 150m laufende Meter Frühstücksbuffet, Reisen in eigener Verantwortung. Ein Roadtrip eben. Und uns bleiben noch so neun Monate!

 

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 Die Anden erheben sich aus dem Staub der Steppe.

 

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 Der erste Morgen im Bus. Erleichterung, Reisen, endlich wie ich es kenne.

 

Dann fahren wir und weiter wächst das Gefühl der echten Reise da in meinem Kopf. Ich sitze hinten auf einem der beiden Chefsessel, Rundumblick beinahe, Fenster überall. Gibt es sonst ein Wohnmobil mit so viel Licht? Beide Kinder schlafen und draußen zieht das unendliche und quasi unbebaute Land vorbei. Weite. Ja, nach vier Wochen Enge zwischen Menschenmassen, Häuserschluchten, beginne ich von neuem den Wert der Einsamkeit zu begreifen. Und auch der Sommer in seiner ganzen Tragkraft, diese Offenheit, die man bei uns eben im Juni spürt, setzt sich erst mit der Natur, die uns umgibt, wirklich durch. In der Stadt nicht voll zu spüren.

Wir sprechen über Kühe und ob man Rindfleisch aus Argentinien jetzt essen sollte oder nicht. Die Tiere zumindest leben in vollkommener Abwesenheit von Ställen in dieser grünen Weite, in der alle wilden Tiere anders sind und doch quasi baugleich wie bei uns. Gleiche Nische, gleicher Zwang der Funktionalität.

Der Abend gießt sich selbst eine Schicht Lava über, langsam könnte man so etwas wie Relief vermuten. Sanfteste Hügelketten. Die Straßen breit und schnurgerade, der Sprinter schnurrt, die Kinder müssen es ertragen. Nicht gerade spannend diese Fahrt, wenn man sich nicht für Landschaften interessiert.

Nachts kurz vor Mendoza wieder Rastplatz, immer noch Angst überfallen zu werden. Mendoza soll gefährlich sein, sagt auch das Auswärtige Amt. Inzwischen gleicht das Land einer Fototapete aus Südspanien, der man vergessen hat Dreidimensionalität einzuhauchen. Beiger Sand und karge Büsche. Gegen Mittag des nächsten Tages dann erheben sich dann endlich die Anden aus auf dem Staub wie Geister. Gute 6000m höher als unser Kühlergrill liegen ihre weißen Gipfel.

Schon in den Bergen, bei einer Rast am Nachmittag, dann das letzte Element des meiner Art des Reisens, das noch fehlte: Stille. An einem Fluss, dessen Wasser so rot ist wie das Land und an dem man problemlos im Treibschlamm versinken kann, zeigt sie sich zum ersten Mal nach ebenfalls vier Wochen. Jedes Zwitschern fällt hier auf. Ist Stille jemals so aktiv in mein Leben wieder eingetreten wie hier und jetzt?

 

 

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 Polizeibus bisschen aufgehippiet.

 

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 Raps und rote Flüsse. Auf dem Weg nach Chile.

 

Irgendwo in den Bergen dann drei Tramper. Wir haben sechs Plätze und sind zu viert, aber sie sind so heilfroh, dass jemand hält, nehmen wir sie halt mit. Ist ja auch nicht Zentraleuropa. Hier bemüht man sich noch weitgehend erfolglos darum, dass die Leute Gurte anlegen. Die drei sind Theaterstudenten aus Buenos Aires, stammen aber aus Chile und fahren dorthin für Weihnachten zurück. Man verseht sich. Eher so vom Gefühl, auf Spanisch geht für mich nach wie vor nur Smalltalk, aber ich übe ja auch nicht. Hier liegt der große Unterschied zu Indien, die Menschen sind im Grunde wie wir, als Hippie-Europäer findet man sogar mehr Gleichgesinnte als zu Hause. Das ist der Vorteil, wenn man zu einer Zivilisation gehört, die fast die ganze Welt platt gemacht hat.

Die Fahrt ist ziemlich symbiotisch. Wir haben schon wieder keine Pesos, erst recht keine chilenischen und wissen auch nicht mal ungefähr den Weg zu unseren Freunden in Santiago, aber die Tramper helfen uns mit allem aus und wir befördern sie.

Die Grenze ist allerdings noch sehr wenig europäisch. Fast zwei Stunden brauchen wir, bis wir nach Chile dürfen, und dann auch nur für 90 Tage und ohne unsre Wurst aus Argentinien. Jules ist ganz ungewohnt engelhaft und brav, wir haben ihm erzählt, dem Weihnachtsmann entgegen zu fahren, der den Hund schon im Tierheim deponiert hat.

 

 

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 Kondoren sollen ja seht schwer zu sehen sein, selbst mit einem 600mm Tele. Glück muss man haben.

 

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 Achtung Treibschlamm!

 

Am Montag ist es dann soweit, wir halten Caracas zum ersten Mal an der Leine. Der Name steht schon lange fest, wir fanden ihn in unserem Zelt im Suru Valley zwischen Zanskar und Ladakh während es Ende September Schneegegrisel auf die Plane trieb. Ich las gerade ein sehr mittelmäßiges Buch über Kaffee oder so, in dem einer der verkümmerten Handlungsstränge eben in Venezuelas Hauptstadt spielte. Gerade hing ich auf diesen sieben Buchstaben, da sagte Jules hinter mir auf Jeannes Frage, wie der zukünftige Hund heißen sollte: „Caracas.“ Er hatte das Wort noch nie zuvor gehört.

Eigentlich mag ich keine Hunde. Nie hätte ich einen haben wollen. Aber einen Freund für Jules und einen Bewacher für den Bus zu haben, leuchtet auch mir ein. Außerdem ist der Schäferhundmischling (davon ist nicht mehr viel zu sehen) seines Zeichens Straßenhund und also ein sehr dankbares und ruhiges Wesen. Dass er die Kinder frisst, halte ich für unwahrscheinlich, ob er einem Gunman an die Kehle springt, wenn der ein Leckerli dabei hat, wage ich aber ebenfalls zu bezweifeln.

Abends kloppen wir uns bei unserem zweiten Restaurantbesuch auf diesem Kontinent die zweite Monsterrunde Fleisch. Dazu jede Menge Alkohol und morgens um drei stehe ich so steil im Bett, dass ich gleich mal fünf Stunden schreiben kann, bevor es Frühstück gibt. Ein Wunsch gewinnt in mir Kontur: Vegetarier werden. Wie oben schon erwähnt, geht es den Tieren hier zwar augenscheinlich recht gut (wir haben sogar schon frei laufende Schweine gesehen), aber die Art, wie es für die Menschen hier fast nichts anderes als Barbeque zu geben scheint, hat etwas fast Makaberes. Schon mehrmals hat man uns leuchtenden Auges Dinge prophezeit wie folgendes: „Da werdet ihr richtig große Mengen Fleisch vertilgen in den nächsten neun Monaten!“ Oder angesichts eines kritzeligen Handyfotos mit knapp 100 toten, gehäuteten Lämmern: „Lecker oder?“

Für unser erstes Kletterziel, den Cajon de Maipo, auch bekannt als Choriboulder, kaufen wir auf jeden Fall kein Fleisch. Auch sonst nicht viel, nichts besonderes. Es ist der 22. Dezember. Dieses Weihnachten wird ganz ganz anders werden, als alle anderen.

 

 

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 Da können sich die Alpenstädte mal eine Schiebe abschneiden von dieser Lage. Santiago de Chile früh morgens.

 

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 Bei Coni.

 

 

 

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