Pirmin Bertle mit Spiderman

Die Climax Fotosession. Stargast: Spiderman

Copyright Jakob Schrödel, Climax Magazine

Wenn man einen Kletterer sucht, ist normalerweise der Fels ein guter Ort, die Suche zu starten.Wenn man allerdings Pirmin sucht, wäre das Restaurant oder die Hängematte ein besserer Startpunkt. Laut seinem Freund Hervé ist Pirmin fast nie am Fels zu finden. Der Typ klettert quasi kaum. Tatsächlich: Wir finden Pirmin wie immer lächelnd und futternd am Tisch an seinem siebten Rasttag in Folge. Für morgen plant er noch einen weiteren konzentrierten Ruhetag, denn er hat ja noch die schwerste Route der Türkei zu klettern. Wie bitte?

Pirmin hat tatsächlich einen anderen Zugang als die meisten Kletterer: Er hat keinerlei Regime, trainiert nicht, stellt  keinen Griff auf, klettert fast ausschließlich in seinen Projekten und gönnt seinem Körper viel Regeneration. Und das höchst erfolgreich! Denn sobald die Zeit zum Weiterreisen kommt, punktet er seine schweren Projekte in beeindruckender Manier. Er versteht es, alles auf eine Karte zu setzen: Lieber nochmal drei Tage rasten, um am letzten Tag alle Energie und Konzentration auf diesen einen Versuch zu fokussieren. Ein Meister des Energiebündelns, Konsequenz in Reinstform!

Als Kind war er in keiner Sportart besonders gut, irgendwann entdeckte er das Klettern und erkannte schnell, dass hier mehr geht. Am Anfang konnte er keinen einzigen Klimmzug, also fing er an zu trainieren, um nach mehreren Monaten endlich den ersten zu schaffen. Seine Konsequenz brachte ihn dazu, seine Klimmzüge auf 70 Stück zu steigern und pyramidenartig 50 Stück - 5 Minuten Pause, 49 Stück - 5 Minuten Pause, ... bis 40 Stück zu ziehen. Irgendwann meinte er wohl, das mit den Klimmzügen sei genug und es ging ans Felsklettern.

Er klettert de facto nur hart. Keine Leicht-kletter-Tage, kaum Aufwärmen, der Begriff Onsight sagt ihm nichts. Ein vierwöchiger Kalymnos-Trip endet dann mit einer Scorecard von: 1 x 7b, 1 x 8a, 2 x 8c+. Wenn er ein Projekt gefunden hat, dann wird das zwei bis dreimal probiert, danach folgen mindestens drei Rasttage im Stil von "Das große Fressen". Carboloading war gestern, was er macht, ist Carbo-Protein-Fat-Turboloading. Er fühlt sich dann satt und wohl und macht sein Projekt meistens gleich. Wenn er es nicht schafft, sieht er es als gute Trainingseinheit und das Essen geht von vorne los.

In seiner Studienheimat der Schweiz konnte der gebürtige Oberbayer heuer drei 9as punkten. Nun ist er auf einem Trip durch die besten Gebiete Europas und zockt weiterhin kräftig ab. Nur in Kalymnos lief es nicht so gut mit dem Wetter, es war immer feucht und schwül. Nach langem Warten und Terminanpassungen passten wie immer am letzten Tag die Bedingungen. Pirmin freute sich wie ein kleines Kind und so konnte der Spielplatz betreten werden. Fünf Stunden spielen und die zwei 8c+ waren geknackt. Zeit zur Weiterreise. Ähnlich hier in Geyikbayiri in der Türkei. Am letzten Tag zieht er ziemlich souverän "Devers Royale" 8c+, die schwerste Route der Türkei, letztes Jahr von Yuji Hirayama erstbegangen. Hervé sagt: "Tout vient à point à qui sait attendre" - Alles bekommt der Mann, der warten kann. Und dieser Mann kann warten.

Und essen.

 

Vielen Dank ans Climax Magazine!