Züruck

Onsight, Rotpunkt, Flash – Die Begehungsstile und deren besondere Anforderungen

DAniel Winkler in Mygranya Profunda, 8b+, in Siurana

Fotos aus einem echten Rotpunkt. Daniel Winkler steigt  Mygranya Profunda, 8b+, in Siurana durch.

Eine Begehung egal in welchem Stil setzt immer voraus, dass die Sicherungskette (Seil, Expressschlingen, Umlenkung) nicht belastet wurde. Ist dies aus sicherheitstechnischen Gründen unumgänglich, darf in Ausnahmefällen das Seil im Voraus in eine der ersten Expressschlingen eingehängt werden. Außerdem sollte die Route in der „üblichen“ Linie begangen werden (manchmal kann durch sehr weites Ausweichen zur Seite z.B. ein Ruhepunkt angeklettert werden, der die Schwierigkeit der Route dann aber vereinfacht).

Onsight: Durchstieg einer Route, ohne diese zuvor versucht zu haben und ohne durch Abseilen über die Route, Zusehen oder Nachfragen bei  anderen Kletterern Informationen über die Route eingeholt zu haben. Die einzige Vorinformation entsteht durch Betrachten der Route von unten. In vielen Wettkämpfen wird in diesem Modus geklettert. Onsight zu klettern erfordert ein gutes Gespür für die Bewegungsabfolgen (eine gute Technik), die ja zum ersten Mal gemacht werden, sowie eine gute Kraftausdauer, da Begehungen ohne Vorinformation wesentlich mehr Zeit und Übersicht während des Kletterns in Anspruch nehmen (es kann nicht einfach durch die Route „gerannt“ werden, wie in einer auswendig gelernten Tour). Onsight ist der schwierigste Begehungsstil.

Rotpunkt/Pinkpoint: Durchstieg einer Route nach obigen Kriterien im frühestens zweiten Versuch. Sobald ein Teil der Route einmal versucht wurde und die Begehung erst in einem späteren Versuch erfolgt, spricht man von Rotpunkt. Pinkpoint bedautet, dass die Expressschlingen bereits in den Haken hängen, was bei schweren Begehungen üblich ist. Rotpunkt klettern erfordert vor allem Geduld beim genauen Ausarbeiten und Eintrainieren aller Einzelbewegungen. So kann eine anfänglich förmlich unmöglich erscheinende Route mit zunehmender Anzahl von Versuchen immer flüssiger und kraftsparender geklettert werden. Zudem steigt die spezifische Kraft für die Anforderungen der Route und der Körper speichert die Bewegungen implizit als sog. Engramme ab. So kann es vorkommen, dass der Kletterer z.B. im Traum „automatisch“ sein ganzes Projekt durchklettert, ohne sich aktiv an die Bewegungen erinnern zu müssen. Natürlich ist eine Rotpunktbegehung im zweiten Versuch am selben Tag wesentlich schwieriger, als beispielsweise sagenumwobene Durchstiege nach 13 Jahren Projektierens (Versuchens) und spezifischen Trainings für die Route (Im Reich des Shogun) oder solche im 900. Versuch (Realization/Biographie). Im Wettkampf gibt es den Work-out-Modus, in dem jeder Teilnehmer am Vortag z.B. eine Stunde Zeit hat, die Route einzustudieren, um sie im Finale dann möglichst weit klettern zu können. So finden schwerere und komplexere Routen als im Onsight-Modus Eingang in den Wettkampf.

Flash: Durchstieg einer Route, ohne diese zuvor versucht zu haben. Es ist im Gegensatz zum Onsight aber erlaubt anderen Kletterern zuzusehen, diese zu befragen und sich während des Kletterns Tipps geben zu lassen. Außerdem darf über die Route abgeseilt werden, ohne aber die Griffe zu berühren. Flash ähnelt dem Onsight, außer dass der Kletterer weiß, wie andere es gemacht haben, wie gut bestimmte Griffe sind, wo die schwerste Stelle ist, etc. Wichtig ist hier oft eine gute Kenntnis des eigenen Stils im Vergleich zu anderen zu haben. So kann ein 1,60 Meter großer, mit viel Ausdauer gesegneter Aspirant eine Route auf ganz andere Weise klettern, als ein 1,90 Meter großer Boulderer. Es gilt also die gegebene Information auf den eigenen Stil zu übersetzen. Flash ist leichter als Onsight, aber schwerer als Rotpunkt.

 

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